Liebes Publikum,
»Eine Stunde lang zu lesen, ohne mich in blauem Licht zu baden, fühlt sich wie eine Errungenschaft an«, offenbarte Ben Lerner in seinem gestrigen Gespräch mit Thomas Demand auf der Großen Bühne im Haus der Berliner Festspiele. In den letzten Tagen haben Sie sich die Zeit genommen, ins geschriebene Wort einzutauchen und sich ganz der Literatur, Poesie, Musik und Performance zu widmen. Heute, zur Halbzeit beim 26. Internationalen Literaturfestival Berlin, schauen wir zurück auf fünf Tage, in denen wir getreu dem Festivalmotto unseren Blick in alle Richtungen gewandt haben.
Rückblick: Was bisher geschah
Ein persönliches Highlight war für mich die Eröffnungsrede des diesjährigen Curator in Residence, Jeet Thayil, die uns vor Augen führte, was Kunst in Zeiten der Krise bedeutet. Begleitet von der ILB House Band, gab uns Thayil Hoffnung in Worten, die noch lange nachhallen:
»Kunst verändert die Welt, indem sie das Bewusstsein ändert. Sie schafft Vertrautheit mit dem Fremden. Sie spricht zu uns und sagt, dass wir nicht alleine sind mit unserem Gefühl der Isolation und des Dahintreibens in Trauer, mit unserer unaufgelösten Beklemmung und unserer Angst vor der aufziehenden Apokalypse.«
Die gesamte Rede in der Übersetzung von Hannes Becker können Sie im Tagesspiegel vom 4. September nachlesen.
Beeindruckt haben mich auch die Momente jenseits der Lesestellen, die für mich das besondere Festivalgefühl verkörpern: Ich denke zum Beispiel an Dave Eggers, der bei der Lesesause des Jungen Programms unermüdlich Tiere zeichnete und bei der Vorstellung seines Romans »Contrapposto« kurzentschlossen Ulrich Matthes porträtierte. Oder Vigdis Hjorth, die in ihrer Signierstunde zahlreiche Bücher mit kleinen Gedichten verzierte.
Heute startete auch das Junge Programm, das noch bis zum 16. September eine Vielzahl von Veranstaltungen präsentiert. Tausende Kinder aller Klassenstufen besuchten die Lesungen und Workshops und Özge Samancı eröffnete mit ihrer Rede »Die langsame Superkraft« das Festival für die nächste Generation von Lesenden.
Für das Abendprogramm ist Halbzeit nach Ausflügen in die Philharmonie und ins Dokumentationszentrum Flucht, Vertreibung, Versöhnung: Gestern eröffnete im ausverkauften Kammermusiksaal die neue Reihe »Satzwechsel« in Kooperation mit den Berliner Philharmonikern. Literaturnobelpreisträgerin Han Kang sprach über ihr Werk, eingerahmt von Stücken von Claude Debussy und Maurice Ravel. Im Dokumentationszentrum erzählten Autor:innen, die ihre Heimat aus politischen Gründen verlassen mussten, bei »Politik im Exil: Demokratie aus der Ferne« von Schreiben und Engagement im Exil.
Ausblick auf die zweite Festivalhälfte
Ab heute, dem 8. September, ist das ILB zurück im Haus der Berliner Festspiele. Dort erwarten Sie bis zum 12. September noch viele neue und etablierte Stimmen, wie zum Beispiel Amitav Ghosh, der am 8. September seinen Roman »Der Strom der Erinnerung« vorstellt, in dem er Fragen zur Klimakrise und Globalisierung zu einer epischen Geschichte verwebt.
Gespannt bin ich auch auf den Austausch zwischen Tatiana Țîbuleac und Ena Katarina Haler, die am 9. September bei »Auf den Ruinen der Väter« über postsozialistisches Erzählen sprechen. Mein persönlicher Geheimtipp ist schließlich die Lesung von Maria Reva am 11. September, deren Roman »Ein Königreich für eine Schnecke« mich immer wieder unerwartet berührt und ebenso unerwartet erheitert hat.
Das vollständige Programm finden Sie auf unserer Website und in unserem digitalen Programmheft.
Programmänderungen
Bitte beachten Sie die folgenden Änderungen im Programm:
Mittwoch, 9. September:
Daniela Catrileo: »Piñen & Chilco. Mapuche-Literatur in den Städten« verschiebt sich um eine halbe Stunde und beginnt jetzt um 18:30 Uhr.
Donnerstag, 10. September:
Für »The Art of Writing: Christian Kracht & Katie Kitamura« sind im Ticketshop der Berliner Festspiele neue Ticketkontingente verfügbar.
Samstag, 12. September:
Dana Vowinckel & Ruth-Maria Thomas: »Lust auf Liebe« findet jetzt auf der Großen Bühne statt und beginnt um 20:30 Uhr.
Max Czollek: »Zweifelssohn« findet jetzt auf der Seitenbühne statt und beginnt um 20:15 Uhr.
Wir freuen uns auf die zweite Hälfte mit Ihnen, den Blick in alle Richtungen gewandt!
Herzlich,
Dennis Kölling
Leitung Kommunikation
