Aslı Erdoğan ist eine türkische Schriftstellerin, Physikerin und Menschenrechtsaktivistin. Sie studierte Informatik und Physik an der Bosporus-Universität und arbeitete anschließend am CERN in Genf, wo sie parallel zu ihrer Magisterarbeit ihren ersten Roman schrieb. »Kabuk Adam« (Ü: Der Muschelmann) erschien 1994. Statt ihr anschließend in Rio de Janeiro begonnenes Promotionsstudium abzuschließen, vollendete sie die Erzählung »Mucizevi Mandarin« (1996; Ü: Der wundervolle Mandarin) und wurde freie Schriftstellerin.
In ihrem Werk erkundet sie mit undogmatischem Blick ihre türkische Herkunft und die Fremde. Die Kurzgeschichte »Tahta kuşlar« (Ü: Holzvögel) gewann 1996 den Preis der Deutschen Welle. Ihr Roman »Kırmızı Pelerinli Kent« (1998; Ü: Die Stadt mit der roten Pelerine) wurde in über zwölf Sprachen übersetzt. Der Roman »Taş Bina ve Diğerleri« (2009; Ü: Das Haus aus Stein) wurde 2010 mit dem Sait Faik Literaturpreis ausgezeichnet, dem bedeutendsten Literaturpreis der Türkei.
Von 1998 bis 2001 schrieb sie eine Kolumne für die Zeitung »Radikal«, ab 2011 für die kurdisch türkische Zeitung »Özgür Gündem«, in der sie sich mit Menschenrechtsfragen und staatlicher Repression gegen Kurd:innen auseinandersetzte. Nach dem gescheiterten Militärputsch in der Türkei wurde sie im August 2016 gemeinsam mit weiteren Journalist:innen von »Özgür Gündem« verhaftet und saß mehrere Monate in Untersuchungshaft, bevor sie Ende 2016 unter Auflagen freikam. Ihre Essays aus dieser Zeit erschienen 2017 zweisprachig unter dem Titel »Artık Sessizlik Bile Senin Değil« (Ü: Nicht einmal das Schweigen gehört uns noch). Für ihr Engagement wurde sie unter anderem mit dem Erich Maria Remarque Friedenspreis (2017) und dem Prix Simone de Beauvoir pour la liberté des femmes (2018) ausgezeichnet.
Im September 2017 verließ Erdoğan die Türkei und lebte zunächst als Stipendiatin des Programms »Stadt der Zuflucht« in Frankfurt am Main, seit 2020 lebt sie in Berlin. Der jahrelange Gerichtsprozess gegen sie endete im Februar 2022 mit einem endgültigen Freispruch. Zuletzt erschien von ihr der Roman »Requiem für eine verlorene Stadt« (2022) auf Deutsch. Aslı Erdoğan lebt in Berlin.
Stand: 2026



