Dinçer Güçyeter ist Theatermacher, Lyriker, Herausgeber und Verleger. Er wurde im niederrheinischen Nettetal geboren. Nach einer Ausbildung zum Werkzeugmechaniker und einer vorübergehenden Tätigkeit als Gastronom gründete er 2011 den ELIF Verlag, den er lange Zeit durch seine Teilzeitarbeit als Gabelstaplerfahrer finanzierte. Im ELIF Verlag veröffentlicht Güçyeter regionale und internationale Lyrik, darunter seine eigenen Bände »Anatolien Blues« und »Ein Glas Leben« (beide 2012) sowie »Aus Glut geschnitzt« (2017). Der Gedichtband »Mein Prinz, ich bin das Ghetto« (2021) ist eine Suche nach den Wurzeln der eigenen Herkunft und eine Erforschung familiärer Bindungen jenseits gesellschaftlich tradierter Lebensweisen. Für diesen Band wurde Güçyeter 2022 mit dem Peter-Huchel-Preis ausgezeichnet. Die Jury würdigte seine »expressionistische Sprachwucht und feinsinnige Ambivalenz« sowie eine Welt zwischen dem niederrheinischen Nettetal und Anatolien, die herrschende postmigrantische Stereotype unterlaufe.
Mit seinem ersten Roman »Unser Deutschlandmärchen« (2022) begibt sich Güçyeter erneut auf die Suche nach den Ursprüngen der eigenen Existenz, nach Sprache und Heimat. Im Zentrum des Familienporträts stehen jene Frauen, die für seine eigene Biografie prägend waren und zugleich stellvertretend für viele Gastarbeiterfamilien stehen. Der Roman wurde 2023 mit dem Preis der Leipziger Buchmesse (Belletristik) ausgezeichnet, im selben Jahr erhielt der ELIF Verlag den Kurt-Wolff-Förderpreis. Der Stoff wurde in drei Bühnenfassungen in Berlin, Münster und Aachen adaptiert, die Inszenierung des Maxim Gorki Theaters wurde 2025 zum Berliner Theatertreffen eingeladen. 2024 erhielt Güçyeter den Else-Lasker-Schüler-Preis, der sowohl sein eigenes lyrisches Werk als auch sein verlegerisches Engagement für die Lyrik anderer würdigte. Von 2024 bis 2025 war er Stadtschreiber von Bergen-Enkheim. 2025 gab er mit Wolfgang Schiffer die Anthologie »Die Backstage eines Buches« im ELIF Verlag heraus. Sein Buch »Fake Gucci-Jogginghose auf der Lesebühne« erschien 2026 im Literaturverlag Droschl.
Dinçer Güçyeter lebt in Nettetal.
Stand: 2026
