Lesebegeisterung in Zeiten digitaler Überforderung: Mehr als 25.000 Besucher:innen beim 26. ILB

ILB 2026 © Stefanie Loos
ILB 2026 © Stefanie Loos

25 ausverkaufte Veranstaltungen, Auslastung steigt auf 85 Prozent, das Junge Programm erreicht knapp 3.000 Lesende mehr als im Vorjahr, ausverkaufter Auftakt der neuen Reihe »Satzwechsel« mit den Berliner Philharmonikern und Nobelpreisträgerin Han Kang

Nach vierzehn Tagen endet am 16. September 2026 das 26. internationale Literaturfestival Berlin (ILB). 100 Schriftsteller:innen aus rund 40 Ländern und insgesamt 240 Mitwirkende aus Literatur, Musik, Wissenschaft und Gesellschaft gestalteten rund 120 Veranstaltungen, darunter Lesungen, Panels, Performances und Workshops. Mehr als 25.000 Besucher:innen kamen ins Haus der Berliner Festspiele und an die weiteren Spielorte, davon mehr als 11.000 zum Jungen Programm. Die Auslastung stieg gegenüber dem Vorjahr von 80 auf 85 Prozent.

FESTIVALHIGHLIGHTS

Zu den meistbesuchten Veranstaltungen zählte der ausverkaufte Auftakt der neuen Reihe »Satzwechsel« in Kooperation mit den Berliner Philharmonikern: Am 7. September stellte Literaturnobelpreisträgerin Han Kang ihren Essayband »Der goldene Faden« im Dialog mit Kammermusik vor. Bei »The Art of Writing« sprachen am 10. September Christian Kracht und Katie Kitamura über Einflüsse und Gemeinsamkeiten ihrer Werke. Booker-Preisträger Douglas Stuart stellte am 4. September seinen neuen Roman »John of John« vor, Dave Eggers war am 5. September mit »Contrapposto« erstmals live in Berlin zu erleben.

Insgesamt waren 25 Veranstaltungen ausverkauft, davon 11 im Jungen Programm. Voll besetzt waren unter anderem »Lust auf Liebe« mit Dana Vowinckel und Ruth-Maria Thomas, der Abend »Politik im Exil« im Dokumentationszentrum Flucht, Vertreibung, Versöhnung sowie die Premiere von Cornelia Funkes Wimmelbuch »Wo Feen Nester bauen und Kobolde aus Büchern schlüpfen« im Rahmen der erstmals stattfindenden Lesesause. Im Jungen Programm gehörten Lesungen von Özge Samancı, Sydney Smith, Delphine Minoui und Don Pablo Mulemba zu den Publikumsmagneten.

Besonders gefragt waren auch die Veranstaltungen mit neuen Stimmen, die zum Teil erstmals in Berlin zu erleben waren: Sie waren häufig ausverkauft und übertrafen die erwarteten Besucher:innenzahlen deutlich, darunter Maria Revas Präsentation ihres Romandebüts »Ein Königreich für eine Schnecke«, Tatiana Țîbuleacs und Ena Katarina Halers Dialog über postsozialistisches Erzählen bei »Auf den Ruinen der Väter« sowie Daniela Catrileos Vorstellung ihrer Romane »Piñen« und »Chilco«.

Auch digital war das Interesse groß: 12 Veranstaltungen wurden gestreamt und bislang mehr als 13.500-mal abgerufen. Am häufigsten abgerufen wurde die Diskussion »Der Streit um das Recht: Zur Lage der Debattenkultur in Deutschland« mit Frauke Brosius-Gersdorf und Julia Reuschenbach, die bereits 4.173-mal angesehen wurde.

THEMATISCHE SCHWERPUNKTE

Unter dem diesjährigen Motto »You are born with your face turned everywhere« feierte das 26. internationale Literaturfestival Berlin Lesen als Akt radikaler Offenheit, der in Zeiten von Polarisierung und Populismus neue Perspektiven eröffnen kann. Gleichzeitig kreisten die Debatten des Festivals immer wieder um den Wert von Literatur als Medium bewusster Aufmerksamkeit und als Gegenmittel zu digitaler Überforderung durch soziale Medien und KI:

»Was sich wirklich verändert hat, ist der Verfall unserer kollektiven Aufmerksamkeit durch den Aufstieg des Smartphones, des Bildschirms und des Algorithmus (…). Eine Stunde zu lesen, ohne mich in blaues Licht zu tauchen, fühlt sich wie eine Errungenschaft an (…). Ich glaube wirklich, dass alles in unserer Kultur der Art von Aufmerksamkeit entgegensteht, die Literatur verlangt und auf die sie angewiesen ist, und ich glaube auch, dass sie das umso kostbarer macht.«

BEN LERNER BEIM 26. ILB

Ben Lerners Beobachtung im Rahmen der Vorstellung seines Romans »Transkription« fasste die gemeinsamen Leitfragen vieler Veranstaltungen zusammen: Welche Rolle spielt Lesen in der heutigen Ablenkungsökonomie? Was bedeutet menschliches Schreiben in Zeiten künstlicher Intelligenz? Und welche politischen Zukünfte zeichnen sich ab? Im Rahmen der »Dialoge & Diskussionen« griff das Festival auch diese Debatten der Gegenwart auf, etwa in »Der Streit um das Recht« mit Frauke Brosius-Gersdorf, Julia Reuschenbach, Jürgen Kaube und Sandra Kegel, in »Zukunft Deutschland: AfD an der Macht?« mit Justus Bender und Heike Klüver sowie in »Think Big! Tech Bros und KI-Revolution« mit Aya Jaff, Marie Kilg und Wolfgang Ullrich.

NEUHEITEN

Das ILB weitete das Programm des Curator in Residence zu einem »Festival im Festival« aus: In zehn Veranstaltungen brachte Jeet Thayil Kunstformen und Kulturen in einer »Jam-Session« zusammen. Zum ersten Mal in der Geschichte des Festivals begleitete mit der ILB House Band unter der Leitung von Diego Piñera ein eigens zusammengestelltes Jazz-Trio Autor:innen auf der Bühne. Die Poetry Night kehrte in einem zweiteiligen Format zurück, das die Lyrik zunächst an wechselnde Orte in der Nachbarschaft des Hauses der Berliner Festspiele trug und anschließend auf die Bühne.

Das Haus der Berliner Festspiele war erneut Festivalzentrum. Aus dem Foyer sendete das Festivalradio von radio3 und fing Stimmen von Autor:innen und Besucher:innen ein. Die Festival Kitchen war wie in den Vorjahren ein beliebter Treffpunkt für Austausch und Gespräche. Der Dussmann Büchertisch wurde erneut von vielen Besucher:innen genutzt und bewegte sich auf dem Niveau des sehr erfolgreichen Vorjahrs.

Download der Pressebilder 2026 | Zu den Livestreams 2026 | Sendungen bei radio3

JUNGES PROGRAMM

Das Junge Programm des 26. internationalen Literaturfestivals Berlin erreichte in diesem Jahr mehr als 11.000 Besucher:innen. Das sind knapp 3.000 Kinder und Jugendliche mehr als 2025 und ein Zuwachs von 32 Prozent gegenüber dem Vorjahr. 100 Mitwirkende, darunter 18 Autor:innen, gestalteten 33 Veranstaltungen und 26 Workshops. Tausende Kinder aller Klassenstufen besuchten die Lesungen und Workshops. Özge Samancı eröffnete das Festival für die nächste Generation von Lesenden mit ihrer Rede »Die langsame Superkraft«. Zu den Höhepunkten zählte die erstmals veranstaltete Lesesause am 6. September, ein Fest für Kinder und ihre Familien mit Lesungen von Cornelia Funke, Dave Eggers und weiteren Gästen, Mitmachaktionen und einer Konzertparty mit der Band Muckemacher.

Zum Jungen Programm

AUSBLICK 2027

Das 27. internationale Literaturfestival Berlin findet im kommenden Jahr statt:

16. bis 26. September 2027 Programm & Junges Programm

silent green und weitere Spielorte

Weitere Informationen: literaturfestival.com | Download MedienKit und Pressebilder

HAUPTFÖRDERER
Hauptstadtkulturfonds

HAUPTFÖRDERER Programm Curator in Residence
LOTTO-Stiftung Berlin

HAUPTSPONSOR JUNGES PROGRAMM & PARTNER LESESAUSE
Thalia

ZU GAST BEI
Berliner Festspiele

PRÄSENTIERT VON
radio3

Pressekontakt
Dr. Dennis Kölling
Leitung Kommunikation
Internationales Literaturfestival Berlin
dennis.koelling@literaturfestival.com | +49 (0) 30 27 87 86 42