23. ilb 06. – 16.09.2023

James Fenton

James Fenton wurde 1949 in Lincoln, Großbritannien, geboren. Er studierte Psychologie und Philosophie in Oxford und wurde bereits als Student 1968 für seinen ersten Gedichtzyklus, »Our Western Furniture«, mit dem Newdigate Prize ausgezeichnet. Ein Jahr später trat er mit einem zweiten Gedichtband, »Put Thou Thy Tears into My Bottle«, an die Öffentlichkeit. Seine Karriere als Journalist begann er bei der Zeitung »New Statesman«, für die er über Politik und Literatur schrieb. Seine langjährige Tätigkeit als freiberuflicher Indochina-Korrespondent beeinflußte sein künstlerisches Schaffen nachhaltig. Als Reporter für »The Guardian« verbrachte er auch ein Jahr in Deutschland. In dieser Zeit entstand u.a. das Gedicht »A German Requiem« (1981), das mit dem Southern Arts Literature Award for Poetry ausgezeichnet wurde.

James Fenton war fünf Jahre lang Theaterkritiker für die »Sunday Times«, 1984-86 Chefrezensent der »Times«, 1986-88 Südostasienkorrespondent und bis 1995 Kolumnist der »Independent«. Er veröffentlicht regelmäßig Rezensionen in der »New York Review of Books«. 1983 ernannte die Royal Society of Literature James Fenton zu ihrem Fellow. Während seiner Zeit als Professor für Poesie in Oxford 1994-99 verfaßte Fenton »Essays on Arts and Artists«, die 1999 unter dem Titel »Leonardo’s Nephew« erschienen sind. 2001 erschien mit »The Strength of Poetry« ein Band mit Aufsätzen zur englischen Lyrik des 20. Jahrhunderts.

James Fenton ist nicht nur als Dichter und Journalist, sondern auch als Librettist tätig. Kontrovers wurde beispielsweise seine Übertragung von Verdis »Rigoletto« in die Mafia-Welt der 1950er Jahre aufgenommen. Als Lyriker steht Fenton unter dem Einfluß W.H. Audens.

In »Our Western Furniture«, einem anti-imperialistischen Kommentar zur Mission des Kommodore Perry in Japan, präsentierte er sich zudem als Satiriker. Diese erste Sammlung von Sonetten bildete eines der umstrittensten Teile seiner ersten umfassenden Gedichtsammlung »Terminal Moraine«, die durch Stilvielfalt und unkonventionelle Perspektiven allgemein Begeisterung hervorrief. Kritisch betrachtete man zunächst allerdings die allzu starke Dominanz der virtuosen Technik.

Für seine persönlichen Erfahrungen in der Zeit seiner Auslandsaufenthalte findet Fenton einen emotionaleren Ton. So vermittelt er in seinen Kriegsgedichten Gefühle der Trauer und Trostlosigkeit, ohne jedoch seine Neigung zur Satire und seine sprachliche Meisterschaft zu unterdrücken. Mit »A German Requiem« legte Fenton eine lakonisch-formale Untersuchung über kollektives Gedenken und Vergessen im Nachkriegsdeutschland vor. In »Dead Soldiers« kleidet er seinen bitter-humorigen Kommentar in die Beschreibung eines auf den Schlachtfeldern des Krieges veranstalteten Festmahls. »A Notebook« und »Children in Exile« sind einfühlsame Beschreibungen seiner Reisen durch Kambodscha und ihrer Nachwirkungen. Von Fentons Aufenthalt auf den Philippinen zeugt der dreizehn Briefe umfassende »Manila Envelope« von 1989. In seinem Gedichtband, »Out of Danger«, wählt der Dichter einen poppigeren Stil und weniger ernste Themen – und spricht damit nach Meinung der Kritiker vor allem ein jüngeres Publikum an. 2006 erschien die Sammlung »Selected Poems«.

© internationales literaturfestival berlin