23. ilb 06. – 16.09.2023

Adolf Muschg

Adolf Muschg wurde 1934 in Zollikon im Kanton Zürich geboren. Er studierte Germanistik, Anglistik und Psychologie an der Universität Zürich und in Cambridge und promovierte über Ernst Barlach. Zusammen mit Peter Bichsel, Friedrich Dürrenmatt und Max Frisch gehörte er 1969 zu den Sezessionisten, die nach ihrem Austritt aus dem Schweizer Schriftstellerverband die Gruppe Olten gründeten. Nach Gastdozenturen in Japan und den USA war er zwischen 1970 und 1999 Professor für Deutsche Sprache und Literatur an der ETH Zürich. 1997 wurde er der erste Leiter des Collegium Helveticum in der Semper-Sternwarte.
1965 erschien sein erster Roman »Im Sommer des Hasen«, dem zahlreiche Erzählungen, Theaterstücke, Hörspiele, Drehbücher und Romane wie »Sutters Glück« (2001), »Eikan, du bist spät« (2005) und »Kinderhochzeit« (2008) folgten. Oft erzählen seine Texte von Suchenden und Strauchelnden und gehen der Frage nach, wie ein Mensch sich aus seinen Prägungen der Herkunft, Gesellschaft und Familie befreien kann. »Der Rote Ritter. Eine Geschichte von Parzivâl« (1993) ist eine Neuinterpretation des Versromans von Wolfram von Eschenbach und gilt als literarisches Hauptwerk von Adolf Muschg. Der Bezug zur Gegenwart wird, wie so oft in seinen Werken, über das Narrativ eines historischen Stoffs hergestellt. Ein weiteres zentrales Thema seines literarischen Œuvres ist die Erforschung der Fremde, bei Muschg ganz konkret das unbekannte Japan, das er zeitlebens bereist und erforscht hat. Mit seinen politischen Essays »Wenn Auschwitz in der Schweiz liegt« (1997) und »Was ist europäisch? Reden für einen gastlichen Erdteil« (2005) bezog er Stellung zur Vergangenheitsbewältigung in der Schweiz und deren Alltagspolitik und zeigte sich damit als Beteiligter am politischen Diskurs Europas. Davon zeugt auch sein Roman »Heimkehr nach Fukushima« (2018), in dem er das komplizierte Verhältnis zwischen Europa und Japan und die Problematik der Atomenergie thematisiert. Zuletzt erschien »Aberleben« (2021), ein Roman über einen an Krebs erkrankten Schriftsteller, der mit siebzig Jahren seine Ehe und die Schweiz verlässt, um in Berlin ein neues Buch zu schreiben und einer Figur, die er im Vorgängerwerk sterben ließ, zu neuem Leben zu verhelfen.
Muschg wurde mit zahlreichen Preisen geehrt, darunter dem Hermann-Hesse-Preis, dem Georg-Büchner-Preis, dem Gottfried-Keller-Preis, dem Grimmelshausen-Preis sowie dem Grand Prix de Littérature der Schweiz für sein Lebenswerk. Er ist u. a. Mitglied der Akademie der Künste in Berlin, dessen Präsident er von 2003 bis 2006 war, der Akademie der Wissenschaften und der Literatur in Mainz sowie der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung in Darmstadt. Adolf Muschg lebt in der Nähe von Zürich.