Eileen Myles wurde in Cambridge, Massachusetts, geboren. Nach dem Schulabschluss in Boston zog they (nach New York und wurde Teil der Künstlerszene im East Village, die von Andy Warhol und der New York School geprägt war. Mylesʼ idiomatisch-euphorischer Stil macht they zu »einer der wichtigen Stimmen der amerikanischen Lyrik« (»New York Times«). Von 1977 bis 1979 gab Myles das Lyrikmagazin »dodgems« heraus. Erste Lesungen von Gedichten hielt they im Punk-Club CBGB und im Kulturzentrum der St. Markʼs Church, deren Schreibwerkstatt they in den achtziger Jahren künstlerisch leitete. Wie im ersten Gedicht »The Troubador« aus dem fünften Lyrikband »School of Fish« (1997; Ü: Fischschule) deutlich wird, versteht Myles sich als postmoderne*r fahrende*r Sänger*in. So trug Myles their Lyrik und Prosa – wie die erste Kurzgeschichtensammlung »Chelsea Girls« (1994) – bei Performances in Nordamerika, Europa und Russland vor. 1992 führte they eine künstlerisch-politische, feministische Präsidentschaftskampagne, die bereits in their Gedicht »An American Poem« aus »Not Me« (1990; Ü: Nicht ich) angelegt war. Darin verkündet Myles ironisch: »Ich bin ein Kennedy«, und unterzieht die amerikanische Kultur einer ungewöhnlichen Kritik. 2016 unterstützte they als Teil der Gruppe Artists for Hillary den Wahlkampf der Spitzenkandidatin der Demokratischen Partei.
Im Mittelpunkt der Gedichte und Geschichten steht die Kunstfigur Eileen Myles, die ihr Lesbischsein kunstverständig und selbstbewusst ausstellt. Der erste Roman »Cool for You« (2000; Ü: Toll für dich) wählt die Einweisung der aus Irland nach Massachusetts eingewanderten Großmutter in die Psychiatrie als Ausgangspunkt, um die Bevormundung und Unterdrückung von Frauen durch Institutionen vorzuführen. Der Künstlerroman »Inferno« (2010), eine Mischung aus Fiktion, Memoir, Literaturtheorie, Zeitgeschichte und Satire, erinnert an wichtige Figuren der New Yorker Literaturszene. Im Lyrikband »Evolution« (2018) reflektiert Myles in knappen Zeilen über zentrale Themen des eigenen poetischen Werks – Liebe, Einsamkeit, Gender, Amerika und dessen Politik –, aber auch über den Verlust der Mutter. »Bird Watching«, 1978 geschrieben und 2026 veröffentlicht, begleitet eine erinnerungsreiche Hauptfigur Anfang zwanzig im New York der Kunst, zwischen Aufbruch, Glück und Unsicherheit.
Myles schreibt regelmäßig für »The Nation«, »Book Forum«, »Index« und »Shiny«. Myles war von 2002 bis 2007 Professor*in für Kreatives Schreiben an der University of California in San Diego. They erhielt das Guggenheim-Stipendium und wurde u. a. viermal mit dem Lambda Book Award und dem Clark Prize ausgezeichnet. Myles lebt in New York City und Marfa.
Stand: 2026
