22. ilb 07. - 17.09.2022

Zora del Buono

Zora del Buono wurde 1962 in Zürich geboren. Nach ihrem Architekturstudium an der ETH Zürich und an der Universität der Künste Berlin arbeitete sie mehrere Jahre als Architektin und Bauleiterin in Berlin.

2008 legte sie ihren Debütroman »Canitz’ Verlangen« vor: Der Literaturwissenschaftler Hubert Canitz entdeckt in der Spree die Leiche einer Frau. Der Anblick lässt ihn nicht wieder los, und er beginnt zu Wasserleichen zu forschen. Erst langsam wird ihm klar, dass sein obsessives Interesse an dem Thema mit der Geschichte seiner Familie und Deutschlands Vergangenheit zusammenhängt. Denn 1945 ist auch seine Tante ertrunken. Del Buonos zweiter Roman »Big Sue« (2010) spielt in den Südstaaten der USA und schildert die Begegnung eines Schweizer Kunsthistorikers mit einer deutschen Journalistin. In schwüler Atmosphäre und geschichtsträchtiger Umgebung gehen sie den Geheimnissen einer alten Villa auf den Grund. In ihrem mit dem ITB BuchAward 2012 ausgezeichneten Reisebuch »Hundert Tage Amerika« (2011) berichtet Zora del Buono von ihren Beobachtungen und Begegnungen während einer dreimonatigen Reise entlang der nordamerikanischen Atlantikküste. Ein weiteres Reisebuch erschien 2015: Für »Das Leben der Mächtigen« besuchte sie die ältesten Bäume Europas und Nordamerikas. Ihr erzählerisches Werk wird durchweg als sprachlich präzise, klug aufgebaut und hervorragend recherchiert beschrieben. So urteilte »Die Welt« über ihre Novelle »Gotthard« (2015), in der ein Eisenbahn-Fan vom Leben der Arbeiter rund um eine Tunnelbaustelle in den Bann gezogen wird: »Es gehört zu den verblüffenden Qualitäten dieses Buchs, dass sein plastisch vor Augen gestelltes Personal und seine Verwicklungen locker für einen dicken Roman ausreichen würden. In ›Gotthard‹ geht es – sehr exakt und faktenreich – ums Graben und Bauen, aber zugleich auch ums Lieben und Fliehen und Sehnen. […] Del Buono steht eine Sprache zu Gebote, deren Präzision in Poesie umschlägt.« »Hinter Büschen, an eine Hauswand gelehnt« (2016) spielt an einem US-amerikanischen Ostküsten-College, wo eine Dozentin ein Verhältnis mit einem ihrer Studenten beginnt. Zuletzt legte Zora del Buono den Familienroman »Die Marschallin« (2020) vor, in dessen Mittelpunkt ihre Großmutter steht – eine charakterstarke Frau und überzeugte Kommunistin, die nicht nur Tito verehrte, sondern auch in einen folgenreichen Raubmord verwickelt war.

Zora del Buono ist Mitbegründerin der Zeitschrift »mare«, deren Kulturressort sie betreut. Sie lebt in Zürich und Berlin.