22. ilb 07. - 17.09.2022

Zlatko Krasni

Zlatko Krasni wurde 1951 in Sarajevo geboren. Nach seiner Schulzeit, die er im schweizerischen Montreux, im westdeutschen Hamm und im jugoslawischen Herceg Novi verbrachte, studierte er in Addis Abbeba, Belgrad und Berlin Germanistik. 1977 promovierte er über die Lyrik Rilkes im serbokroatischen Sprachraum – ein Einfluss, der sich auch in Krasnis eigenen Gedichten zeigt: Kunstvolle Enjambements sowie eine Vorliebe für die Sonettform – z.B. im Band »Košuta u duši« (1997; Ü: Hirschkuh in der Seele) – zeugen davon. Krasni benutzte aber auch freie und reimlose Verse sowie Stil mit tel des Surrealismus. In vielen seiner zwölf Gedichtbänden entwarf er Bilder, die mit freundlicher Melancholie und leisem Humor um Themen wie Wandel und Vergänglichkeit spielen und so die Verletzlichkeit des Menschen evozieren. Zum beherrschenden Topos von Krasnis letzten Gedichten wurden die Jugoslawienkriege und die NATO-Bombardierung, die Krasni im eigenen Land erlebte. »Und dort unten bei euch // werden Slawen wieder voneinander abgeschlachtet?«, fragt ein Dichterkollege im dreiteiligen Zyklus »Am Ring« melancholisch über seinem Bier – während im kulturhistorischen Museum »in einem Saal // präparierte Köpfe ausgestellt sind, // Touristen dürfen sie gegen Bezahlung anschauen, // der Indios // oder eines anderen Volks, // das der Geschichte zufällig // in den Weg getreten ist«.

Krasni war Redakteur verschiedener jugoslawischer bzw. serbischer sowie internationaler Literaturzeitschriften, darunter »Srpski narod«, »Zbilja«, »Knjizevnost – Lettre Internationale«, »Pannonia« (Wien) und »Cross-Country-Relations« (Belgrad, New York). Er prägte die Auslandsbeziehungen des serbischen Schriftstellerverbands und war ein einflussreicher Ver mit tler deutschsprachiger Literatur: Als Herausgeber veröffentlichte er Anthologien der zeitgenössischen deutschen Kurzgeschichte und Lyrik sowie der österreichischen Nachkriegslyrik. Er übersetzte mehr als sechzig Bücher deutschsprachiger Schriftsteller ins Serbische, darunter Werke von Goethe und C.G. Jung, von Siegfried Lenz, Jürgen Becker, Peter Handke, Reiner Kunze, Rolf Dieter Brinkmann, Peter Sloterdijk, Thomas Bernhard, Christoph Ransmayer und Patrick Süßkind. Für die Übertragung der Gedichte von Hans Magnus Enzensberger erhielt Krasni den Ljubisa-Jocic-Preis. Seine beiden Essaysammlungen »O melanholiji evropskog intelektualca« (1997; Ü: Die Melancholie eines europäischen Intellektuellen) und »U vrtu doktora Kitahare« (2005; Ü: Der Garten des Doktor Kithara) wurden ebenfalls ausgezeichnet.

Krasnis Gedichte – u.a. mit dem Branko-Copic-Preis und dem Milan-Rakic-Preis geehrt – wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt und in verschiedene Anthologien aufgenommen. Der Mitbegründer der Gesellschaft für die Serbisch-Deutsche Freundschaft und Zusammenarbeit lebte zuletzt in Belgrad. Er verstarb im November 2008.

© internationales literaturfestival berlin