22. ilb 07. - 17.09.2022

Zhang Jie

Zhang Jie wurde 1937 in Peking, China, geboren. Sie wuchs als Tochter einer Volksschullehrerin ohne Vater auf und wurde, entgegen ihrer Hoffnung auf ein Studium der Literatur, dem Studium der Planungswissenschaften an der Volksuniversität Peking zugeteilt. Nach dem Abschluss ihres Studiums 1960 arbeitete sie fast zwanzig Jahre im Industrieministerium für Maschinenbau. Als Tochter eines ‚Rechten’ musste sie sich von 1969 bis 1972 an einer Kaderschule Umerziehungsmaßnahmen beugen. In diesen Zeitraum fällt auch der Beginn ihres Schreibens. Erst nach der Kulturrevolution (1966-67) veröffentlichte sie 1978 ihre erste Erzählung „Die Musik der Wälder“, mit der sie den nationalen Preis für die beste Kurzgeschichte erhielt. 1979 folgte der Staatliche Literaturpreis für „Wer hat mehr vom Leben“. Im gleichen Jahr wurde sie Mitglied des chinesischen Schriftstellerverbandes. 1980 trat sie in die Kommunistische Partei Chinas ein. Seit 1982 ist sie freiberuflich tätig. Im gleichen Jahr erschien ihr Roman „Schwere Flügel“ – ausgezeichnet mit dem Mao-Dun-Preis, Chinas höchster literarischer Ehrung – in deutscher Sprache. Für „Die Voraussetzungen sind noch nicht reif“ erhielt sie 1984 den Literaturpreis der renommierten Zeitschrift „Beijing wenxue“. Im Jahre 1985 nahm sie am „Horizonte-Festival“ in Berlin teil und erhielt 1987 ein Stipendium für einen sechsmonatigen Schreibaufenthalt in Wien. Sie unternahm danach größere Reisen und Lesungen in ganz Europa. Das folgende Buch „Zwei Liebeserzählungen“ (dt. 1987) wurde mit dem Malaparte-Literaturpreis ausgezeichnet. 2005 erhielt Jie als einzige chinesische Autorin zum zweiten Mal den Mao-Dun-Preis für ihre Roman-Triologie „Wuzi“ (Ü: Ohne Worte). In dieser Romanreihe, wie auch in anderen Werken, reflektiert die Autorin die Umwälzungen der Modernisierung und besonders die veränderte Lebenssituation der Frauen in ihrem Land. Kennzeichnend für ihre literarische Entwicklung ist der Wechsel von einer sanften lyrischen Stimmung der ersten Erzählungen hin zu einem rüderen Ton, der das Phänomen der Macht in seinen unterschiedlichen Erscheinungsformen auch in satirischem Tonfall thematisiert. Zuletzt erschien ihr Tatsachenroman „Abschied von der Mutter“ (dt. 2000). Der Roman erzählt von den letzten gemeinsamen Monaten Zhang Jies mit ihrer Mutter. Die Autorin selbst nennt den Roman „eine Liebesgeschichte zwischen Mutter und Tochter“, der zugleich ein kritischer Spiegel des sozialen Wandels in China ist. Die Autorin gehört zu den bekanntesten Schriftstellerinnen ihres Landes. Sie lebt heute in Peking.

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