22. ilb 07. - 17.09.2022

Yann Kebbi

Yann Kebbi wurde 1987 in Paris geboren und studierte Illustration an der École Estienne und der Image Imprimée des Arts Décoratifs in Paris mit einem Austauschjahr in New York an der Parsons School of Design. Als Zeichner umreißt Kebbi mit Farbstiftlinien Figuren, Gebäude, Straßen und anderes und fügt sie zu lebendigen, oft städtischen Szenen. Seine Motive sind hauptsächlich Menschen, er stellt bevorzugt »Typen« dar. Auch wenn seine Zeichnungen auf den ersten Blick hell und fröhlich wirken, verbirgt sich hinter der Oberfläche meist eine tiefere Schicht, die dem Gewirr von Linien und Farben eine gewisse Traurigkeit verleihen.

Nach zahlreichen Illustrationen für Publikationen anderer Autoren gab er mit »Americanin, un Chien à New York« (2012; Ü: Americanin, ein Hund in New York) sein erstes eigenes Buch heraus. Es ist die Geschichte eines Hundes, der nach einer Reise nach New York seine Freunde trifft und von seinen Abenteuern erzählt. Für Kinder bietet sich damit die Möglichkeit, im Verlauf einer amüsanten Hundegeschichte diese besondere Stadt jenseits des Atlantiks kennenzulernen. Nach einer Ausstellung in der Brüsseler Galerie Chempaka erschien 2014 der Titel »Howdy, dessins dʼAmerique« (Ü: Howdy, Zeichnungen von Amerika). In diesen Bildern zeigt sich die Entwicklung, die Kebbi in den Jahren zuvor genommen hat, die Erkundung der Möglichkeiten von Aquarellen, die Implementierung reicher Farbflächen. Für »Monotypes« (2016) verwendet er Monotypie-Drucke, eine Technik, die vor ihm u. a. gern von französischen Künstlern wie Degas, Matisse und Picasso verwendet wurde. 2017 entwickelte er zusammen mit Viken Berberian die Graphic Novel »La structure est pourrie, camarade«, die 2019 auch auf Englisch (»The Structure is Rotten, Comrade«) und 2020 auf Deutsch (»Marode Substanz, Kamerad!«) erschien. Erzählt wird eine exzentrische Geschichte über Familienstreitigkeiten und ererbte sowjetische Statuen. Der Protagonist der Geschichte ist ein junger Architekt, der aus Paris in die armenische Hautstadt Jerewan geht, die gerade dabei ist, ihre städtische Struktur neu zu erfinden. Die Bewohner sind jedoch empört über die Zerstörung der Stadt und die Auslöschung ihrer Geschichte sowie über die Aussiedlung vieler Menschen aus ihren Häusern. Der Architekt sieht sich bald mit einer Revolution konfrontiert. Zuletzt erschien mit »Fondation Kebbi« (2019) ein großformatiges Buch mit Reproduktionen einer Serie von zwanzig Kunstwerken, einer Sammlung imaginärer Galerieräume, in denen Yann Kebbis Kunstwerke ausgestellt sind und die verschiedene Techniken präsentieren: Zeichnung, Lithografie, Gravur oder Monotypie.

Kebbi zeigte seine Werke in vielen Gruppen- und Einzelausstellungen in Paris, Hongkong und Brüssel. Seine Arbeiten erscheinen regelmäßig in »Le Monde«, »Libération«, »The New Yorker«, »The Guardian«, »The Wall Street Journal« und »The Washington Post«. Er lebt in Paris.