23. ilb 06. – 16.09.2023

Wole Soyinka

Wole Soyinka wurde 1934 im westnigerianischen Abeokuta geboren. Nach Literatur- und Theaterwissenschaftsstudien in Nigeria (Ibadan) und England (Leeds) arbeitete er im Londoner Royal Court Theatre als Dramaturg und Schauspieler und schrieb seine ersten Dramen. 1960 kehrte er nach Nigeria zurück, wo er weitere Theaterstudien betrieb, zwei Schauspielgruppen gründete, zwei Literaturzeitschriften leitete und an verschiedenen Universitäten unterrichtete. 1967 wurde er der Unterstützung der Biafra-Unabhängigkeitsbewegung angeklagt und ohne Urteil inhaftiert. Die folgende Zeit thematisieren der Lyrikband »Poems from Prison« (1969; Ü: Gedichte aus dem Gefängnis) und sein erstes autobiografisches Werk »The Man Died« (1972; dt. »Der Mann ist tot«, 1979). Erst zwei Jahre und vier Monate später kam er frei, u.a. aufgrund internationaler Proteste. Seitdem lebte er zweimal für lange Perioden im Exil in Europa, den USA sowie in Ghana und war als Gastprofessor an verschiedenen Universitäten tätig. Er war Präsident am Internationalen Theaterinstitut in Paris und Woodruff-Professor an der Emory University in Atlanta. In dieser Zeit wurde er in Abwesenheit wegen Hochverrats verurteilt.
Seit seinen frühen Dramen begleitet Soyinka die Entwicklung des modernen Afrika und gestaltet gleichzeitig ein Bild der conditio humana. Dabei stellt er sich gegen eine unkritische und verklärende Rückbesinnung auf vorkoloniale Werte und tritt für eine selbstbewusste und kreative Weiterentwicklung afrikanischer Traditionen ein. Mit leidenschaftlichem und forderndem Duktus setzt er sich in seinem oft satirischen und ironischen Werk für Pluralismus, Demokratie und die soziale und politische Gleichberechtigung Afrikas ein. Er verbindet metaphernreich und poetisch Mythen der Yoruba mit denen Europas, vereint Idiome der Yoruba mit europäischen sowie Literatur mit politischer Ideengeschichte.
1986 wurde Soyinka als erster schwarzer und afrikanischer Schriftsteller mit dem Nobel pr eis für Literatur ausgezeichnet. In seinen späteren Werken – darunter Essays und mehrere autobiografische Romane – thematisiert Soyinka auch globale Probleme. In der Vortragsreihe »Climate of Fear« (2004; dt. »Klima der Angst«, 2005) bekräftigt er die politische Verantwortlichkeit des Bürgers weltweit und verurteilt die großen Weltreligionen als die gefährlichste Macht des 21. Jahrhunderts.
Soyinka wurde in seinem Heimatland und international vielfach ausgezeichnet. Er ist Ehrendoktor mehrerer Universitäten – darunter Leeds, Emory, Yale, Harvard, Montpellier, Toronto und Bayreuth –, Mitglied von britischen, afrikanischen, französischen und deutschen Literaturvereinigungen, Kommandeur des Verdienstordens der italienischen Republik und Ehrenbürger von New Orleans, Houston und Montpellier. Kürzlich wandte er sich in einem Artikel im »Guardian« gegen die manipulierten nigerianischen Wahlen im April 2007. Der Autor lebt in Nigeria und den USA, wo er derzeit als Senior Fellow am Black Mountain Institute der University of Nevada sowie als Non-Resident Fellow am DuBois Institute der Harvard University arbeitet. Darüber hinaus ist er Professor emeritus an der Obafemi Awolowo University in Ile-Ife, Nigeria, wo er die Professur für Vergleichende Literaturwissenschaft innehatte.

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