22. ilb 07. - 17.09.2022

Volker Braun

Volker Braun wurde 1939 in Dresden geboren. Nach dem Abitur war er drei Jahre Druckereiarbeiter, Tiefbauarbeiter und Tagebaumaschinist, ehe er in Leipzig Philosophie studieren konnte. Wegen seiner Gedichte, die Stephan Hermlin 1962 auf der Lesung der Akademie der Künste vortrug, drohte ihm die Exmatrikulation. 1965 holte ihn Helene Weigel an das Berliner Ensemble, wo sein erstes Stück, „Die Kipper“, inszeniert (und verboten) wurde. Nach der Niederschlagung des Prager Frühlings schrieb er „T.“ (Trotzki) und „Lenins Tod“. 1972 bis 1977 war er Mitarbeiter des Deutschen Theaters, anschließend bis 1990 Hausautor am Berliner Ensemble. Auch viele seiner späteren Werke – die „Unvollendete Geschichte“, der „Hinze-Kunze-Roman“, die Gedichtbände „Training des aufrechten Gangs“, „Langsamer knirschender Morgen“, die Stücke „Dmitri“, „Die Übergangsgesellschaft“ oder die Essay-Sammlung „Verheerende Folgen mangelnden Anscheins innerbetrieblicher Demokratie“, mit immenser Verzögerung gedruckt bzw. aufgeführt, waren „Arbeit gegen die Deckgebirge der Verheißungen“.
Trotz der fundamentalen Kritik verstand sich Braun als Sozialist, der durch seinen ‚konspirativen Realismus’ auf Veränderung der Verhältnisse drängte. „Man sucht einen Blickwinkel zu wählen, der dem offiziellen Denken, dem beschwichtigenden und sich einrichtenden Denken nicht nachkommt – also einen Blick von unten auf die Dinge.“ Dieser Einstellung ist er auch nach der deutschen Vereinigung treu geblieben, sei es mit der abgründigen Novelle „Die vier Werkzeugmacher“, mit den Gedichtzyklen „Rot ist Marlboro“ und „Tumulus“ oder den Stücken „Der Staub von Brandenburg“ und „Limes. Mark Aurel“. Die Darmstädter Akademie verlieh den Büchner-Preis 2000 „dem Dichter, der mit Erbarmen und Witz eine lebendige Chronik seiner geschichtlichen Welt geschaffen“ und „die Sprache und die Formen der philosophischen Epoche der deutschen Literatur erneuert und verwandelt hat“. Braun wurde 2005 mit dem serbischen Poesie-Preis, dem Goldenen Schlüssel der Stadt Smederevo, ausgezeichnet. Seit 2006 ist er Direktor der Sektion Literatur der Akademie der Künste Berlin.

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