23. ilb 06. – 16.09.2023

Valeria Luiselli

Portrait Valeria Luiselli
© Diego Berruecos

Valeria Luiselli wurde 1983 in Mexiko-Stadt geboren und wuchs, bedingt durch die Arbeit ihres Vaters, in den USA, Costa Rica, Südkorea und Südafrika auf. Mit 16 Jahren kehrte sie nach Mexiko-Stadt zurück, studierte dort Philosophie und ging dann nach New York, um sich dem zeitgenössischen Tanz zu widmen. Sie promovierte in Vergleichender Literaturwissenschaft an der Columbia University, unterrichtete Literatur am Bard College, war Librettistin für das New Yorker Ballett. Mittlerweile ist Luiselli eine gefeierte Autorin von Belletristik und Sachbüchern. In ihrem literarischen Essayband »Papeles falsos« (2010; dt. »Falsche Papiere«, 2014) sind Texte einer persönlichen Welterkundung versammelt, in denen die Autorin über das alltägliche Leben reflektiert und bei ihren Streifzügen durch die Stadt auf Geister der Literaturgeschichte trifft. Luisellis Roman »Los ingrávidos« (2011; dt. »Die Schwerelosen«, 2013) erzählt von einer jungen Frau, die an einem Roman schreibt, dabei das Haus nicht verlässt und sich zusehends in einer Erzählung ihrer eigenen Vergangenheit verliert, wie sie, z.B. einen Verleger davon zu überzeugen versuchte, das Werk des mexikanischen Dichters Gilberto Owen zu veröffentlichen. Immer mehr entfremdet sie sich der eigenen Realität, ihre Erzählstimme verschmilzt mit der von Owen, der nun seinerseits aus seinem Leben erzählt, in dem er sich von der geisterhaften Erscheinung einer jungen Frau verfolgt fühlte. Mit ihrem Roman »La historia de mis dientes« (2014; dt. »Die Geschichte meiner Zähne«, 2016) war Luiselli Finalistin für den National Book Critics Circle Award und den Best Translated Book Award und gewann den Los Angeles Times Book Prize für Best Fiction und den Premio Metropolis Azul in Kanada. Der Text handelt von einem erfindungsreichen Auktionator, der jeden seiner hässlichen Zähne ersetzen will und das Geld dafür damit erwirtschaftet, dass er zu jedem angebotenen Objekt eine originelle Geschichte erfindet. Luisellis Roman führt einen kreativen Prozess vor, der den Kult um die Erinnerungen an literarische Berühmtheiten nährt.

In ihrem Sachbuch »Tell Me How It Ends: An Essay in 40 Questions« (2017) verarbeitete sie ihre Erfahrungen als freiwillige Dolmetscherin für lateinamerikanische Migranten, die in den USA um Asyl bitten. An dieses Thema knüpft auch ihr Roman »Lost Children Archive« (2019; dt. »Archiv der verlorenen Kinder«, 2019) an, in dem eine amerikanische Mittelklasse-Familie unerwartet Zeuge eines Flüchtlingsdramas von Kindern aus Zentralamerika und Mexiko wird.

Luisellis Bücher wurden in mehr als 20 Sprachen übersetzt. Ihre Texte erscheinen in »The New York Times«, »Granta«, »McSweeney’s« u.a. Sie initiierte ein Alphabetisierungsprogramm für Mädchen in einem Internierungslager im Bundesstaat New York. Luiselli erhielt u.a. die Auszeichnung »5 under 35« sowie ein MacArthur-Stipendium. Die Autorin arbeitet heute als Lektorin, Journalistin und Dozentin und lebt in Mexico City und New York.