Tishani Doshi ist indische Autorin, Choreografin und Tänzerin. Nach ihrem Schulabschluss studierte sie Kommunikations- und Verwaltungswissenschaft in North Carolina und Kreatives Schreiben in Baltimore. In ihre Heimatstadt Madras, Indien, zurückgekehrt, arbeitete sie als Journalistin. Daneben begann Doshi eine Ausbildung zur Tänzerin. Sie war Mitglied eines Ensembles, das unter der Leitung der legendären Choreografin Chandralekha neue Formen des Tanzes entwickelt und international performte.
Ihre ersten Gedichte veröffentlichte Doshi in Anthologien und Magazinen wie »The Times Literary Supplement« und »The Southern Poetry Review«. 2001 wurde sie mit dem britischen Eric Gregory Award ausgezeichnet. 2005 gewann ihr Gedicht »The Day We Went to the Sea« (Ü: Der Tag, an dem wir ans Meer gingen) die All-India Poetry Competition. Ihr Debüt »Countries of the Body« (2006; Ü: Länder des Körpers) wurde mit dem Forward Poetry Prize ausgezeichnet. Den Gedichten des Bandes – ihrer Tanzlehrerin gewidmet – ist die intensive Beschäftigung mit dem Körper eingezeichnet. »Der Tanz hat mein Schreiben auf grundlegende Weise beeinflusst, denn Tanzen verlangte von mir mehr Disziplin, als ich sie mir als Schriftstellerin jemals selbst abgefordert hätte.« Körperlichkeit findet sich häufig in den Texten, insbesondere Geburt, Sex, Tod und die Ausübung von Gewalt. Auch die soziale Bedeutung des Körpers wird reflektiert, wenn wiederholt Geschlechterrollen, soziale Interaktion in romantischen und familiären Beziehungen thematisiert werden. Ihre poetischen Texte sind bilderreich und meditativ, der ausgewogene Rhythmus transportiert einen melancholischen Ton: »Gedichte kommen für mich aus einem Ort der Melancholie. Sie kommen vom Schmerz, von etwas Negativem.« 2012 erschien ihr zweiter Gedichtband »Everything Begins Elsewhere«, in dem sie den Körper erneut ins Zentrum rückt und zugleich die Grenzen von Raum und Zeit auslotet. Mit »Girls Are Coming Out of the Woods«, das 2017 zunächst in Indien und 2018 in Großbritannien erschien, legte sie eine Sammlung über Gewalt gegen Frauen, Zeit und Erinnerung vor. Der Band und Doshis begleitende Tanzperformance des Titelgedichts standen 2018 auf der Shortlist für den Ted Hughes Award. 2019 veröffentlichte sie den Roman »Small Days and Nights«. Er erzählt von Grace, die nach dem Tod ihrer Mutter von der Existenz ihrer bis dahin unbekannten Schwester Lucia erfährt, die das Downsyndrom hat, und mit ihr an der Küste Tamil Nadus ein neues Leben aufzubauen versucht. 2021 folgte der Gedichtband »A God at the Door«, der persönliche, gesellschaftliche und politische Krisen, ökologische Zerstörung, Gewalt und die Unterdrückung von Frauen in den Blick nimmt. Er stand auf der Shortlist für den Forward Prize for Best Collection 2021. Ihr fünfter Gedichtband, »Egrets, While War« (2026), verbindet Umweltverlust, Erinnerung, Altern und die Verwüstungen des Krieges. Er steht auf der Shortlist für den Forward Prize for Best Collection 2026. Tishani Doshi lebt in Indien.
Stand: 2026
