23. ilb 06. – 16.09.2023

Ted Milton

Ted Milton wurde 1943 im englischen Bedford geboren und wuchs in Afrika, Kanada und Großbritannien auf. Nach dem ungeliebten Besuch verschiedener Oberschulen studierte er für einige Wochen an der School of Art in Cambridge. Er trat zunächst als Lyriker hervor und veröffentlichte einige frühe Gedichte in Zeitschriften wie »The Paris Review«. Mitte der sechziger Jahre begann er, als Puppenspieler zu arbeiten, nahm an zahlreichen internationalen Festivals teil und steuerte für Terry Gilliams Film »Jabberwocky« eine kurze Szene bei. Anfang der achtziger Jahre lernte er dann, Altsaxofon zu spielen, und gründete die Gruppe Blurt. Der »psycho-funk, afro-punk, fake no-wave, pogo-Jazz« des Trios wurde stilbildend für verschiedene Künstler und Bands der Zeit. Bis heute pflegt die Band ihre Verbindung aus Energie und Respektlosigkeit des Punk mit der Intelligenz und Spontaneität des Jazz. Der ersten Single »My mother was a friend of the enemy of the people« (1980; Ü: Meine Mutter war eine Freundin des Volksfeindes) folgte bald das Livealbum »In Berlin« (1981). Seitdem nahm Blurt mehr als zwanzig Platten und CDs auf, die sich sowohl einer echten Kategorisierung als auch der kommerziellen Ausschlachtung verweigerten. Im Mai 2005 gab die Band 23 Konzerte in ganz Europa, und im Oktober 2006 tritt sie auf dem Jazzfestival in Nancy auf. Daneben veröffentlichte Milton weiterhin Aufnahmen unter seinem eigenen Namen – eine Sammlung dieses Werks wird unter dem Titel »Odes« in Kürze erscheinen. Als er Mitte der achtziger Jahre in Brüssel lebte, wo Milton mit der »Back to Normal Big Band« aus Liège zusammenarbeitete, begann Milton, aus gefundenen Materialien Buchobjekte herzustellen. Sie wurden auf mehreren Ausstellungen gezeigt und in die Bestände der Bibliothèque Nationale sowie der British Library aufgenommen. 2000 veröffentlichte der Künstler die CD »Sublime« – sein bislang melancholischstes Werk – mit dem Weilheimer Soundtüftler Andreas Gerth (»Loopspool«), der inzwischen in Berlin lebt. Miltons letztes Projekt ist eine Hommage an den russischen Autor des Absurden Daniil Charms. »In Kharm’s Way«, eine Mischung aus Musik, Puppenspiel und spoken word, wurde mit dem elektronischen Musiker Sam Britton erstmals 2001 im Rahmen des Rotozaza Connexions Festival in Paris präsentiert. 2002 schloss sich eine erfolgreiche Tournee durch Europa an. Milton lebt inzwischen in Deptford, im Südosten Londons.

© internationales literaturfestival berlin