22. ilb 07. - 17.09.2022

Tara June Winch

Tara June Winch wurde 1983 in Wollongong, Australien, geboren. Ihr Vater gehört dem Aborigine-Stamm der Wiradjuri an.

2004 wurde sie für eine damals noch unveröffentlichte Fassung ihres Debüts »Swallow the Air« (2006; Ü: Verschlucke dir Luft) mit dem David Unaipon Award für indigene Schriftsteller*innen ausgezeichnet. Der Roman erzählt von den Geschwistern Billy und May, die mit dem plötzlichen Tod ihrer Mutter fertigwerden müssen. Auf der Suche nach einem eigenen Platz im Leben schlägt Billy einen zerstörerischen Weg ein. May hingegen macht sich auf die Suche nach ihrem Vater und ihrer Aborigine-Identität und lernt aus den Begegnungen mit anderen Menschen, was Zugehörigkeit bedeutet. 2016 erschien eine Jubiläumsausgabe des Debüts, das in Australien inzwischen zur offiziellen Schullektüre avanciert ist. Als Teilnehmerin der Rolex Mentor and Protégé Arts Initiative, eines Mentoringprogramms für Nachwuchstalente aus verschiedenen künstlerischen Bereichen, wurde Winch 2008 vom nigerianischen Schriftsteller und Literaturnobelpreisträger Wole Soyinka betreut. Ihre Kurzgeschichtensammlung »After the Carnage« (2016; Ü: Nach dem Gemetzel) wurde von der Kritik positiv aufgenommen. Während die Schauplätze von New York bis Istanbul, von Pakistan bis Australien den gesamten Globus umspannen, erzählen die Geschichten von allgemeingültigen Themen wie Nähe und Distanz zu geliebten Menschen, zu einst gehegten Träumen, zur verlassenen Heimat: Da ist die alleinerziehende Mutter, die extreme Maßnahmen ergreift, um ihren kleinen Sohn zu schützen; der nigerianische Student, der in der Hoffnung auf eine bessere Zukunft ein Praktikum bei den Vereinten Nationen absolviert; der frisch geschiedene Mann, der mit Mitgliedern eines Online-Forums für Suchtkranke eine Laufgruppe startet. Im Mittelpunkt ihres jüngsten Romans »The Yield« (2019; Ü: Der Ertrag) steht die Familie Gondiwindi, die den Wiradjuri angehört. Um die Sprache seines Volkes zu bewahren, erstellt Albert »Poppy« Gondiwindi kurz vor seinem Tod ein Wörterbuch. Als seine Enkelin August, die seit zehn Jahren in Europa lebt, zur Beerdigung nach Australien zurückkehrt, muss sie feststellen, dass das Zuhause ihrer Familie durch ein mächtiges Bergbauunternehmen zerstört zu werden droht. Von der Stimme ihres Großvaters geleitet, schwört August, ihr Land zu retten – ein Vorhaben, das sie zurück in die Vergangenheit und zur Geschichte ihres Volkes führt. Der Roman wurde im Rahmen der australischen NSW Premier’s Literary Awards mit dem Christina Stead Prize for Fiction und dem People’s Choice Award ausgezeichnet sowie zum Buch des Jahres 2020 gewählt.

Winch verfasste außerdem das Drehbuch für den Dokumentarfilm »Carriberrie«, der sich der Vielfalt des indigenen Tanzes und Gesangs in Australien widmet und 2018 auf dem Filmfestival in Cannes Premiere feierte. Tara June Winch lebt in Frankreich.

Unter folgendem Link können Sie sich den Auftritt von Tara June Winch auf dem 20. ilb auf unserem YouTube-Kanal ansehen: https://youtu.be/N_YpQf58Mc8