23. ilb 06. – 16.09.2023

Steven Uhly

Steven Uhly, 1964 in Köln geboren, ließ sich ab 1983 in Valencia zum Dolmetscher und Übersetzer ausbilden, dann folgte ein Studium der Germanistik sowie der Spanischen und Portugiesischen Sprache und Literatur in Köln, Bonn und Lissabon. Seine Dissertation thematisiert »Multipersonalität als Poetik«. Zwei Jahre leitete Uhly das Deutsche Institut der Bundesuniversität von Pará in Brasilien, danach hatte er eine Gastdozentur in Porto Alegre inne. Schließlich nahm er einen Lehrauftrag am Institut für Romanische Philologie der Ludwig-Maximilians-Universität München an.

Uhlys Debütroman »Mein Leben in Aspik« (2010) ist ein Familienroman und zeigt, wie die Vergangenheit in die Gegenwart hineinragt. Die als »Slapstick-Komödie« erzählte »absurde Inzestgeschichte aus dem dunklen Herzen der Bundesrepublik« (Florian Illies in »DIE ZEIT«) glänzt mit dynamischen Dialogen und unerwarteten inhaltlichen Wendungen. Uhlys Doppelagentenroman »Adams Fuge« (2011), mit dem Tukan-Preis ausgezeichnet, erlangte durch die Enthüllungen der terroristischen NSU-Aktivitäten und der zweifelhaften Rolle von Vertretern des Verfassungsschutzes eine hohe Aktualität. Zu einem Bestseller wurde »Glückskind« (2012) über einen gescheiterten Mann, der ein Baby in einer Mülltonne findet. Die Fürsorge für das kleine Mädchen gibt seinem Leben einen neuen Sinn, ruft jedoch auch Erinnerungen an seine eigenen Kinder und sein früheres Leben wach und wirft eine Vielzahl von Fragen über Verantwortung, Glück und Zusammenleben auf. Der Stoff wurde von Michael Verhoeven für die ARD verfilmt, 2014 zeigte das Volkstheater Rostock eine Bühnenbearbeitung. 2016 erschien mit »Marie« gewissermaßen eine Fortsetzung der Geschichte, die das Leben der Mutter des »Glückskinds« und seiner beiden Geschwister weiterschreibt und die Schwierigkeiten und die Überforderung Alleinerziehender thematisiert. »Königreich der Dämmerung«, Uhlys vierter Roman (2014), der in der englischen Übersetzung »Kingdom of Twilight« (2017) von »The Times« zum Book of the Month gewählt wurde, behandelt eine Familiengeschichte über drei Generationen auf dem Hintergrund von Flüchtlingsbewegungen am Ende des Zweiten Weltkriegs. »Tagebuch« (2015) stellt eine Auswahl von Uhlys Gedichten aus dreißig Jahren vor. Nach »Den blinden Göttern« (2018) erzählt Uhly in seinem jüngsten Roman »Finsternis« (2020) von einem jungen Kriminalbeamten, der sich einer Psychotherapie unterzieht, nachdem ein Sexualverbrechen mit sadomasochistischem Hintergrund ihn aus der Bahn geworfen hat. Nach und nach werden die Zusammenhänge offengelegt, die tief in einer von Unfreiheit und Abhängigkeiten geprägten Gesellschaft wurzeln.

Steven Uhly übersetzt aus dem Spanischen, Portugiesischen und Englischen. Mit Ricarda Solms gründete er 2007 den Verlag Münchner Frühling.