23. ilb 06. – 16.09.2023

Stella Gaitano

Stella Gaitano wurde 1979 in Khartum, Sudan, geboren. Ihre Familie stammt aus dem Südsudan. An der Universität von Khartum studierte sie Pharmazie. Bereits während ihrer Grundschulzeit, sagt sie, habe sie begonnen, Geschichten zu schreiben. Zu den für sie prägenden Autoren zählt Gaitano den sudanesischen Autor At-Tayyib Salih sowie Gabriel García Márquez und Isabel Allende. Während ihres Studiums kam sie in Kontakt mit Intellektuellen und politischen Aktivist:innen, worauf sie ihre schriftstellerische Arbeit intensivierte und über sich, ihre Familie, ihr Volk zu schreiben begann. Gaitano siedelte 2012 vom Norden in den Südsudan über. Sie gilt als eine wichtige Stimme ihrer Landsleute, die Krieg und Vertreibung erfahren haben. Ihre Werke verfasst sie auf Arabisch.

Eine ihrer ersten Kurzgeschichten, »A Lake the Size of a Papaya Fruit« [Ü: Ein See von der Größe einer Papaya], habe sie, inspiriert durch ihre Großmutter, innerhalb einer halben Stunde geschrieben, so Gaitano. Es sei für sie eine Offenbarung gewesen. Die Erzählung, für die Gaitano 2003 mit einem Literaturpreis ausgezeichnet wurde, handelt von einem Mädchen und dessen Großmutter, die sich allein durchs Leben schlagen müssen, nachdem die Eltern des Mädchens und der Großvater ums Leben gekommen sind. »Wilted Flowers« [2002; Ü: Verwelkte Blumen] ist Gaitanos erster Kurzgeschichtenband. Darin behandelt sie das Schicksal von Menschen, die vor den mörderischen Konflikten im Südsudan, in Darfur und den Nuba-Bergen geflohen sind und bei Khartum in Flüchtlingscamps leben. In »The Return« [2015; Ü: Heimkehr] thematisiert Gaitano die Rückkehr der vielen Südsudanesen aus dem Norden in ihren gerade neu gegründeten Staat. Sie schildert die damit verbundenen hohen Erwartungen, großen Hoffnungen und übergroßen Enttäuschungen.

Die englische Übersetzung ihres Debütromans »Eddoʼs Souls« [2018] wurde 2020 mit einem PEN Translates Award ausgezeichnet. Darin behandelt sie universelle Themen wie Identität, Abschied, Mutterschaft, Verlust und Trauer und erzählt von den historischen, politischen und sozialen Veränderungen, die Mitte der Siebziger- bis Mitte der Achtzigerjahre immense Auswirkungen auf das Leben der Sudanesen hatten, weil sie das soziale Gefüge durcheinanderbrachten und zu Marginalisierungen, Spaltungen und zivilen Unruhen führten. »Der Roman beginnt in einem ländlichen Kontext, in einem kleinen verarmten Dorf voller Mysterien, Rituale und Aberglauben, und endet in einer überfüllten Stadt mit all ihren Problemen« [»Arablit & Arablit Quarterly«].

Gaitano gewann 2001 und 2004 den Professor Ali El-Mek Award. Zur politischen Lage des Sudans und Südsudans äußert sie sich regelmäßig in Zeitungsartikeln. Sie beteiligt sich zudem an der Initiative Youth for My Country, die durch pragmatische, konkrete Hilfe das Leid der vielen Gewaltopfer im Südsudan zu lindern versucht. 2022 lebt Gaitano als Stipendiatin des Writers in Exile-Programms des PEN in Kamen, Deutschland.

Stand: 2022