23. ilb 06. – 16.09.2023

Shaun Tan

Nicht nur in seiner Heimat ist der 1974 in Perth geborene Shaun Tan ein vielfach ausgezeichneter Künstler mit großem Renommee. Bereits in seiner Jugend zeichnete er Science-Fiction- und Horrorgeschichten für Zeitschriften. Später studierte er Kunst und Englische Literatur an der University of Western Australia. Heute ist er als freier Künstler, Autor, Zeichner und Regisseur im Bereich Animationsfilm tätig.

Mittlerweile ist er auch einem größeren Publikum in Europa bekannt. Er begeistert sowohl Kinder und Jugendliche als auch Erwachsene mit seinen fantasievollen Illustrationswelten voller Anspielungen sowie assoziativer Leerräume. Diese generationenübergreifende Leserschaft bezieht der Autor in seine Konzepte für Text und Bild mit ein. Vielschichtig gestaltet er anspruchsvolle soziale, politische und historische Themen wie Migration, Aufrüstung, Kreativität sowie die Sehnsucht nach Selbstverwirklichung und einer individuellen kulturellen und sozialen Identität unter äußeren Restriktionen in der textlosen Graphic Novel »The Arrival« (2006; dt. »Ein neues Land«, 2008). Seine Bücher fordern die Leser*innen auf, ihre Umwelt zu hinterfragen und hinter dem scheinbar Gewöhnlichen des Alltags das allgegenwärtige Außergewöhnliche zu entdecken. »Manche Geschichten sind mehrdeutig. Aber ich denke, Vieldeutigkeit ist besser als Sicherheit, weil es deinen Blick auf das Fremde zulässt«, beschreibt Shaun Tan in einem Interview mit Deutschlandradio sein Erzählkonzept. In dem Kurzgeschichtenband »Tales from Outer Suburbia« (2008; dt. »Geschichten aus der Vorstadt des Universums«, 2008/2020) erzählt der Autor sprachlich leicht, doch zugleich mit großer Ernsthaftigkeit von einer Welt zwischen Realität und Fantastik. Nur auf den ersten Blick geht es um gewöhnliche und zufällige Ereignisse und Zusammenhänge. In seinem Kinderbuch »The Lost Thing« (2000; dt. »Die Fundsache«, 2009) diskutiert er für ein kindliches Lesepublikum anspruchsvolle Themen wie Identität, Freundschaft, soziale Verantwortung, die Furcht vor dem Unbekannten sowie das Verhältnis von Mensch und Maschine. Mit seiner Brüder-Grimm-Adaption »Singing Bones« (2016; dt. »Singende Knochen«, 2016) haucht Tan deren Märchen mit seinen 75 Skulpturen neues Leben ein. In seinem Bilderbuch »Cicada« (2018; dt. »Zikade«, 2019) für Kinder und Erwachsene zeigt er einen Büroangestellten, der in einer sehr grauen Welt lebt und von seinen Kollegen schikaniert wird, bis er sich am Tag vor dem Ruhestand in ein leuchtendes Insekt verwandelt, das nach Hause in den Urwald fliegt.

Shaun Tan erhielt zahlreiche nationale und internationale Auszeichnungen, u. a. für »Tales from Outer Suburbia« 2009 den Deutschen Jugendliteraturpreis, für »The Lost Thing« den Oscar 2010 in der Kategorie Bester animierter Kurzfilm sowie den Astrid-Lindgren-Gedächtnis-Preis 2011. Er lebt mit seiner Frau und drei Vögeln in Melbourne.

Unter folgendem Link können Sie sich die Veranstaltung mit Shaun Tan auf dem 20. ilb auf unserem YouTube-Kanal ansehen: https://youtu.be/EwJlcJGoDiI