23. ilb 06. – 16.09.2023

Saša Stanišić

Saša Stanišić wurde 1978 in Višegrad, einer bosnischen Kleinstadt im damaligen Jugoslawien, geboren. Während des Bosnienkriegs flüchtete seine Familie 1992 nach Deutschland. Stanišić besuchte in Heidelberg die Schule und studierte dort Deutsch als Fremdsprache und Slawistik. Seine Magisterarbeit über Wolf Haas wurde 2004 mit dem Jürgen-Fritzenschaft-Preis der Universität Heidelberg ausgezeichnet. Während des Studiums schrieb er auch literarische Texte, nach dem Magisterabschluss immatrikulierte er sich am Deutschen Literaturinstitut Leipzig. 2005 beteiligte er sich am Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb mit seiner Erzählung »Was wir im Keller spielen …«, einer Rückschau auf den Krieg in Jugoslawien aus der Sicht eines Kindes. Stanišić erhielt dafür den Kelag-Publikumspreis.

Seinen Debütroman, der inzwischen in dreißig Sprachen übersetzt wurde, publizierte er 2006. »Wie der Soldat das Grammofon repariert« handelt von einer ungewöhnlichen Jugend vor dem Hintergrund des Zerfalls von Jugoslawien, dem Krieg in Bosnien und einer daraus resultierenden Flucht nach Deutschland. Im Gegensatz zu den schrecklichen Ereignissen, von denen hier berichtet wird, ist der Sprachgestus des Werks, der vor allem der kindlich-jugendlichen Erzählperspektive geschuldet ist, eher heiter, anekdotisch und naiv. Der Roman schaffte es auf die Shortlist des Deutschen Buchpreises und wurde 2007 mit dem Förderpreis zum Literaturpreis der Stadt Bremen ausgezeichnet. Eine für den Deutschen Hörbuchpreis nominierte Hörspielversion produzierte der Bayerische Rundfunk 2007. Die dramatisierte Fassung erlebte 2008 am Schauspielhaus Graz ihre Uraufführung, dort war Stanišić 2006/07 Stadtschreiber. Sein Roman »Vor dem Fest«, eine humorvolle Darstellung des Lebens in einem Dorf in der Uckermark, erhielt 2014 den Preis der Leipziger Buchmesse. »Was Stanišić mit seinem glänzend geschriebenen Dorfstück gelingt, das ebenso gut als ironisch abgefederte Heimatkunde wie literarische Tragikomödie durchgeht, ist die Indienstnahme des Klischees, ohne dass Stereotypen noch wie solche wirken« [SPIEGEL]. Für den autobiografisch gefärbten Roman »Herkunft« [2019] erhielt Stanišić den Deutschen Buchpreis. Der Autor reflektiert hier wie in einem Erinnerungsprotokoll nicht nur seine eigene Geschichte, sondern auch ganz allgemein die Frage, was Herkunft zu bedeuten hat und mit welchen Problemen Migrant:innen konfrontiert sind.

Stanišić wurde mit zahlreichen weiteren Preisen geehrt, darunter mit dem Adelbert-von-Chamisso-Preis, dem Alfred-Döblin-Preis und dem Hohenemser Literaturpreis. Neben Romanen schreibt er Erzählungen und Kinderbücher. Stanišic ist Mitglied der Freien Akademie der Künste in Hamburg, wo er auch lebt.

Stand: 2020