22. ilb 07. - 17.09.2022

Sara Colaone

Sara Colaone wurde 1970 in Pordenone, Italien, geboren. Sie lehrt als Professorin für Comic und Illustration an der Akademie der Schönen Künste von Bologna und ist selbst als Animatorin, Comicautorin und Illustratorin tätig.

1998 gab sie ihr zeichnerisches Debüt mit der Graphic Novel »Pranzo di famiglia« (Ü: Familienessen), geschrieben von Francesco Satta. Sechs Jahre später entstand in Zusammenarbeit mit Massimiliano De Giovanni der Band »Nei panni di Zazà« (Ü: In der Rolle von Zazà) für die Reihe »Lupin III Millennium«. Davor und danach veröffentlichte Colaone weitere Werke bei italienischen Verlagen wie Kappa Edizioni, Coconino Press und Associazione Vivacomix. Illustrationen von ihr wurden in Zeitschriften wie »Internazionale« und »Ventiquattro Magazine« sowie in Lehrbüchern für Fachverlage abgedruckt; Ausstellungen zeigten u.a. in Neapel, Bologna, Ravenna und Ljubljana ihre grafischen Arbeiten. 2008 resultierte eine Kollaboration mit dem Comicautor Luca de Santis in der eindrucksvollen Graphic Novel »In Italia sono tutti maschi« (dt. »Insel der Männer«, 2010), die 2009 mit dem Attilio Micheluzzi-Preis für den besten Comic ausgezeichnet wurde. Mit textlich wie bildlich klarer Struktur erzählt der Roman die Geschichte des 75-jährigen Antonio, genannt Ninella, der wie rund 300 andere Homosexuelle im Italien Mussolinis verhaftet sowie von 1938 bis 1940 auf der kleinen Adria-Insel San Domino interniert wurde. Seine Reise in die Vergangenheit wird von zwei jungen Filmemachern begleitet, die einen Dokumentarfilm über die Insel drehen wollen. Da sie seine Erfahrungen nur als Material ausschlachten möchten, kommt es bald zum Konflikt mit ihrem Interviewpartner, bei dem der Besuch der Insel nicht nur Erinnerungen an Erniedrigungen, Not und Heimweh sowie an Spannungen und Kämpfe unter den Häftlingen weckt, sondern auch an seine Aufnahme in die kleine, kameradschaftliche Gemeinschaft der Insel, in der er sein Selbstvertrauen wiederfand. Die Erinnerungen des alten Mannes sind durchweg in Schwarz-Weiß gehalten und erscheinen durch Duoton-Kolorationen in Ocker zusätzlich patiniert. »Dadurch entsteht«, so der »Tagesspiegel«, »ein ästhetisch reizvolles und ebenso kontrastreiches Panorama der italienischen Gegenwart: Generationsübergreifend wird eine bislang so gut wie unbewältigte Vergangenheit mit sich herumgeschleppt.« Eine Besprechung in »Die Tageszeitung« verglich Colaones Zeichnungen in ihrer packenden Direktheit mit Arbeiten des Indie-Comic-Künstlers David Mazzucchelli. Mit »Ciao ciao bambina« (2010; Ü: Hallo, hallo Baby) veröffentlichte die Künstlerin zuletzt eine Graphic Novel, bei der sie für Text und Bild verantwortlich zeichnete. In einem Interview gab sie 2014 an, eine derartige Unabhängigkeit erlaube es ihr, neue kreative Richtungen einzuschlagen.

Colaone lebt in Bologna.