23. ilb 06. – 16.09.2023

Sandro Veronesi

Der italienische Schriftsteller Sandro Veronesi wurde 1959 in Florenz geboren. 1985 schloss er dort sein Architekturstudium ab.
1984 veröffentlichte er sein erstes Buch, die Gedichtsammlung »Il cielo e il resto« (Ü: Der Himmel und der Rest). Als Romanautor debütierte er 1988 mit »Per dove parte questo treno allegro« (Ü: Wohin fährt dieser fröhliche Zug), einer Vater-Sohn-Geschichte. Es folgten »Gli sfiorati« (1990; dt. »Die Berührten«, 2014) und »Venite venite B-52« (1995; Ü: Komm schon, komm auf die B-52), in denen Veronesi erneut das Familienthema aufgreift und die vor allem von der amerikanischen Literatur, insbesondere von Thomas Pynchon, inspiriert sind. Auch »La forza del passato« (2000; Ü: Die Macht der Vergangenheit) behandelt eine Vater-Sohn-Beziehung, hier jedoch existiert der Vater in der Erinnerung, die der Sohn befragt, um herauszufinden, wer er wirklich gewesen ist. Das Buch gewann den Premio Campiello und den Premio Viareggio, wurde in fünfzehn Sprachen übersetzt und von Piergiorgio Gay verfilmt. Mit »Caos Calmo« (2005; dt. »Stilles Chaos«, 2007) schließlich gewann Veronesi Italiens renommiertesten Literaturpreis, den Premio Strega. Nach dem Tod seiner Lebensgefährtin muss sich Pietro Paladini neu im Leben orientieren. Da er sich vorwirft, im entscheidenden Moment nicht da gewesen zu sein, legt er mehr und mehr eine übertriebene Fürsorglichkeit für die gemeinsame Tochter an den Tag. Immer mehr entwickelt er sich für seine Umgebung von einem Kuriosum zu einer Anlaufstelle für Menschen, die ihm von ihren Nöten erzählen können. Der Roman wurde mit Nanni Moretti in der Hauptrolle verfilmt und hatte bei der Berlinale 2008 Premiere. Veronesis philosophischer Thriller »XY« (2010; dt. 2011) spielt in einem verschneiten Bergdorf, in dem elf Leichen gefunden werden, woraufhin ein Pfarrer und eine Psychiaterin versuchen, die unfassbare Tragödie zu ergründen. »Terre rare« (2014; dt. »Fluchtwege«, 2016) erzählt vom gegenwärtigen Italien und wie das Leben des fürsorglichen Vaters und soliden Geschäftsmanns Petro Paladini aus den Fugen gerät. Mit seinem jüngsten, ebenfalls mit dem Premio Strega ausgezeichneten Roman »Il Colibri« (2019; dt. »Der Kolibri«, 2021) schuf Veronesi eine vielstimmige Familiensaga, in der er auf psychologisch raffinierte Weise vom emotional aufrührenden und unruhigen Leben eines sensiblen Mannes erzählt. »›Der Kolibri‹ ist der inspirierteste Roman von einem unserer inspiriertesten Schriftsteller. In ihm steckt der ganze Veronesi. […] Er ist eine Folge von immer elektrisierenderen Arien. Die Lebendigkeit eines jeden Bildes ist fast zum Weinen«, urteilte die »Corriere della Sera«.
Sandro Veronesi veröffentlichte außerdem Essays und Artikel in verschiedenen Zeitungen und Zeitschriften. Er ist Mitbegründer des Autorenverlags Fandango Libri, wo er als Cheflektor die amerikanische Literatur betreut, sowie des Websenders Radiogas. Er lebt in Rom.