23. ilb 06. – 16.09.2023

Ryoko Sekiguchi

Ryoko Sekiguchi wurde 1970 in Tokio geboren. Sie begann sehr früh, sowohl auf Japanisch als auch auf Französisch Gedichte zu schreiben und erhielt bereits im Alter von 18 Jahren den Tokioter Literaturpreis der »Cahiers de la poésie contemporaine«. Seit 1997 lebt sie in Paris, wo sie an der Sorbonne Kunstgeschichte studierte. Drei Jahre später promovierte sie an der Universität von Tokio in Vergleichenden Literatur- und Kulturwissenschaften. Zurzeit unterrichtet sie an verschiedenen Instituten wie dem INALCO, dem Pariser Forschungszentrum für orientalische Sprachen und Zivilisationen.

Sekiguchis Gedichte brechen in Struktur und Form mit der japanischen Tradition. Sie fallen schon in ihrer Gestaltung auf, weil sie auf gängige Formate und Textanordnungen verzichten und einen visuellen poetischen Raum schaffen. Ihr erster Gedichtband »Cassiopée Péca« (1993) wurde ursprünglich im A2-Format gedruckt. Die typografische Gestaltung in Form von verschieden angeordneten Textblöcken oder aus Zeilen gebildeten Labyrinthen generieren einen Bedeutungsreichtum, der das Interpretationsvermögen des Lesers herausfordert und zum konstitutiven Bestandteil der Gedichte macht. Zu diesem Effekt trägt auch die Synthese verschiedener Symbole bei – ein allgegenwärtiges Motiv in Sekiguchis Werk. So finden sich Elemente verschiedener Sprachen innerhalb derselben Satzeinheit vermischt, oder das Geschriebene wird von grafischen Ordnungsmustern begleitet – wie in »Calques« (Ü: Pauspapier), einer Gedichtsammlung aus dem Jahr 2001. Dieser Band setzt sich aus Texten der auf Japanisch geschriebenen Werke »(Com)position« (1996) und »Hakkouseï Diapositive« (2000; Ü: Lumineszierende Dias) zusammen, die Sekiguchi wie viele ihrer Gedichte selbst übersetzte. Mehrere davon erschienen in Literaturzeitschriften, darunter »Action Poétique«, »Dédales« oder »Po&sie«. Daneben trat sie auch als Übersetzerin von Gôzô Yoshimasu, Yoko Tawada und französischer Autoren wie Pierre Alferi, Anne Portugal oder Atiq Rahimi in Erscheinung.

Sekiguchi erhielt zahlreiche Stipendien, u.a. von der Japanischen Stiftung für Schriftstellerei und dem Centre National du Livre. Ihre Gedichte wurden ins Englische, Koreanische, Schwedische und Arabische übersetzt. Das Pariser Centre Pompidou und die Maison des Ecrivains, die New York Library und die San Francisco City University gehören zu den Orten, an denen sie zu Lesungen eingeladen war. Sie beteiligte sich wiederholt mit Textbeiträgen an Ausstellungen zeitgenössischer Kunst, von denen die letzte, »Le monde est rond« (2004; Ü: Die Welt ist rund), in Buchform dokumentiert ist. 2007 erschien der Gedichtband „Adagio ma non troppo“. Sekiguchi lebt in Paris.

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