23. ilb 06. – 16.09.2023

Ruth Schweikert

Ruth Schweikert wurde 1965 in Lörrach geboren und wuchs in Aarau auf. Sie machte eine Theaterausbildung und studierte eine Zeit lang Germanistik.

1994 erschien ihr erster Erzählungsband »Erdnüsse. Totschlagen«, in dem Schweikert über die Beziehungen innerhalb einer Familie und insbesondere über die zwischen Müttern und Töchtern reflektiert. Im Mittelpunkt ihres Debütromans »Augen zu« (1998) steht die dreißigjährige Künstlerin Aleks, die an einer »unbestimmten Traurigkeit« leidet. In Vor- und Rückblenden wird aus ihrem Leben und dem ihrer Mitmenschen erzählt – von der Mutter, die im Zweiten Weltkrieg ihre Familie verlor und alkoholsüchtig wurde, vom Vater, der die Vergangenheit vergessen will, vom wohlgeordneten, bürgerlichen Leben in der Schweiz, dem Aleks mit ihrer Unangepasstheit zu begegnen sucht. »Ruth Schweikert fabuliert nicht, sie teilt dem Leser viel eher ihre Allergie gegen voreilige Urteile, gefabelte Konventionen mit. In ihren Texten versucht sie mit dem Sowohl-als-auch menschlicher Verhältnisse fertigzuwerden … Dass der Raum zwischen Figuren, wenn sie die persönlichsten Erfahrungen abbilden, so offen bleibt, macht ihn nicht zum Niemandsland der Literatur. Genau dieser Raum ist ihr Arbeitsplatz, ihr Testgelände«, so Adolf Muschg. Auf den Debütroman folgten das Liebesepos »Ohio« (2005) und der Zeit- und Familienroman »Wie wir älter werden« (2015). In ihrem jüngsten, sehr persönlichen Buch »Tage wie Hunde« (2019) erzählt Schweikert von der eigenen Brustkrebserkrankung. Nachdem sie Anfang 2016 die Diagnose erhalten hat, setzt in ihrem Kopf ein Gedankenkarussell ein: Was passiert mit dem eigenen Körper? Was kann man wissen über Krebs? Mit der Krankheit beginnt für sie eine neue Zeitrechnung, die zunächst vor allem durch Ungewissheit, Einsamkeit und Todesangst geprägt ist. Schweikert mischt Autobiografisches mit Medizinischem, Alltagsbeschreibungen, Erinnerungen an den Tod des Vaters sowie Reaktionen von Freunden und zitiert literarische Krankheitsgeschichten von Thomas Bernhard bis Jörg Steiner. »Ruth Schweikert demonstriert hier in großer Eindringlichkeit, dass erzählerische Souveränität in dieser Situation der grundlegenden Daseinserschütterung nicht zu haben ist« (»NZZ«).

Für ihre Arbeiten wurde Schweikert u. a. beim Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb mit dem Bertelsmann-Stipendium (1994), mit dem Preis der Schweizerischen Schillerstiftung (1999), als Stadtschreiberin von Bergen-Enkheim (2015), mit dem Kunstpreis der Stadt Zürich (2016) und dem Solothurner Literaturpreis (2016) ausgezeichnet. Neben ihrer schriftstellerischen Tätigkeit beteiligte sie sich an verschiedenen Theaterprojekten. Sie lebt in Zürich.