23. ilb 06. – 16.09.2023

Rudolf Herfurtner

Rudolf Herfurtner wurde 1947 im bayerischen Wasserburg am Inn geboren. Nach den Anfängen seines Schreibens gefragt, erinnert er sich an seine nicht immer glückliche Internatszeit, in der er begann, in seinem Tagebuch Gedanken festzuhalten und zu erzählen, »erst nur von dem, was war, dann auch davon, wie es anders sein könnte«. So sei er, »ohne es zu merken, zum Schriftsteller geworden: Zu einem, der durch die Welt geht und etwas auffängt, das er gebrauchen kann, und dem er zu Hause am Schreibtisch Ausgedachtes hinzufügt«. Nach dem Studium der Germanistik, Anglistik und Theaterwissenschaften in München, volontierte er beim Fernsehen und arbeitete für eine Münchner Tageszeitung, bevor er sich ganz dem Schreiben widmete.

Seine Sympathie für Kinder und Jugendliche, sein Verständnis für ihre Sorgen und Ängste, aber auch seine Vertrautheit mit ihrer Sprache und ihren Vorstellungen prägen Rudolf Herfurtners Texte. Ohne erhobenen Zeigefinger, dafür mit viel Witz und Einfühlungs-vermögen beschreibt er die Lebenswelt seiner jungen Protagonisten und lässt der kindlichen Perspektive seiner Figuren Raum, sich zu entfalten – in mitreißenden Abenteuererzählungen, spannenden Kriminalgeschichten und historischen Jugendromanen. So erzählt »Mensch Karnickel« (1990) die erschütternde Geschichte des sechszehnjährigen Clemens, der am Ende des Zweiten Weltkrieges nach Osten verschickt wird, um den Bombennächten in Berlin zu entgehen. In den Wirren des Kriegsendes macht er sich auf die Suche nach seiner Mutter. Einsamkeit und Unsicherheit haben »Clemens« zu »Karnickel« gemacht, einem scheuen, verängstigten Jungen auf der Flucht. Erst nach sechs Jahren findet er seine Mutter, die inzwischen mit einem neuen Mann und einem anderen Jungen lebt. In kunstvoll verschlungenen Erzählsträngen schildert Herfurtner in »Muschelkind« (2003) die sagenhafte Geschichte des Bernbaches und der Menschen, die über Jahrhunderte an ihm lebten. Als die dreizehnjährige, rothaarige Margarethe Ende des 19. Jahrhunderts bei einer alten Bernmüllerin ein geheimnisvolles Buch mit Muschelprägung entdeckt, gerät sie unversehens in den Bann des Bernbachs und seiner Geschichten. Mit leichter Hand gelingt es Herfurtner, die Nöte seiner kleinen Alltagshelden mit märchenhaften Elementen und spannenden Abenteuern zu verbinden, so in seinem Krimi »Milo und die Jagd nach dem grünhaarigen Mädchen« (2000), der mit dem »Martin«-Kinder- und Jugendkrimipreis (2001) ausgezeichnet wurde und vom unheimlichen Verschwinden von Straßenkindern erzählt.

Rudolf Herfurtner hat über 40 Erzählungen, Romane, Theaterstücke, Hörspiele, Drehbücher und vier Opernlibretti für Kinder und Jugendliche vorgelegt. Sein literarisches Werk wurde mit einer Vielzahl von Auszeichnungen bedacht, u.a. mit dem 1. Deutschen Kindertheater-Preis (1996) und dem Großen Preis der Volkacher Akademie für Kinder- und Jugendliteratur (2002) für sein Gesamtwerk. Zuletzt erschienen die beiden Kinderbücher »Pauline und der gelbe Ritter« (2005) und »Lucia und das Drachenhalsband: Von Mäusen und Monstern« (2006). Rudolf Herfurtner lebt mit seiner Familie in München.

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