23. ilb 06. – 16.09.2023

Roberto Piumini

Roberto Piumini wurde 1947 in Edolo bei Brescia, Italien, geboren und gilt als der bedeutendste italienische Kinder- und Jugendbuchautor der Gegenwart. Der studierte Pädagoge arbeitete einige Jahre als Lehrer, Schauspieler und Puppenspieler, bevor er zur Schriftstellerei fand. Inzwischen hat er in seiner Heimat eine Vielzahl von Romanen für Kinder, Jugendliche und Erwachsene, Theaterstücke, Gedichte, Fabeln, Märchen und Balladen, Drehbücher, Fernseh- und Radiotexte, Liedtexte und Opernlibretti veröffentlicht.

Während er in Italien schon seit vielen Jahren außerordentliche Popularität genießt, wurde mit „Mattia e il nonno“ (1993; „Matti und der Großvater“) 1994 sein erstes Buch in deutscher Sprache veröffentlicht. Darin schildert Piumini den fiktiven Spaziergang des siebenjährigen Matti mit seinem sterbenden Großvater. Wie im klassischen Märchen haben sie auf ihrem gemeinsamen Weg Entscheidungen zu treffen, Mutproben und Abenteuer zu bestehen sowie Lehren aus ihren Erlebnissen zu ziehen. Mit unaufdringlicher Selbstverständlichkeit erzählt Piumini vom Lieb-Haben, Abschied-Nehmen, Loslassen-Können und Nicht-Vergessen-Werden. In ebenso bildhafter wie klarer Sprache schreibt er – wie die Widmung des Buches betont – “für alle, die mit Kindern reden“. „Matti und der Großvater“ wurde für den Deutschen Jugendliteraturpreis (1995) nominiert.

Eins der zentralen Werke im literarischen Schaffen Piuminis ist seine poetische Erzählung  „Lo stralisco“ von 1993 („Eine Welt für Madurer“, 1999). Ohne große Worte und in ergreifend zarte Sprachbilder gefasst, erzählt Piumini eine meditative Geschichte über die Wahrnehmung der Welt, zu der auch der Tod gehört. Pinselstrich für Pinselstrich lässt der Maler Sakumat die Welt für den todkranken Madurer auf Palastwänden lebendig werden. Die Kritik lobte Piuminis kleine, federleichte Erzählung über Freundschaft und die lebensstiftende Kraft der Kunst als ein „Geschenk für das eigene Leben“ (Die Zeit).

Leichtfüßig und ohne erhobenen Zeigefinger kommen Piuminis Geschichten daher, getragen von einem ganz eigenen Atem. Ihre Faszination beziehen sie aus der verblüffenden Mischung von Abenteuer, Lebensweisheit, Fantasie und Schönheit der Sprache. Da mit steht er in der Nachfolge Gianni Rodaris (1920-1980), der die italienische Kinder- und Jugendliteratur von seiner „Kindlichkeit“ und jeglichem Pädagogisieren befreite. Piumini versteht es, faszinierende Erzählpanoramen zu entwerfen und seinen Texten eine vielschichtige Tiefe zu verleihen, so auch in seinem Jugendroman „Motu-Iti. Die Insel der Möwen“ („Motu-Iti. L’isola die gabbiani“, 1997), für den er 1998 mit dem Rattenfänger Literaturpreis ausgezeichnet wurde. Seine Geschichte um den gerechten und besonnenen Häuptling Tou-Ema, der auf der berühmten Osterinsel regiert, ist ein „eindrucksvolles und zugleich nachdenkliches Buch über Macht und ihren Missbrauch“ (Süddeutsche Zeitung).

Roberto Piuminis vielfach preisgekrönten Bücher wurden bereits in elf Sprachen übersetzt. Der Autor lebt in Mailand und in Buonconvento bei Siena.

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