23. ilb 06. – 16.09.2023

Robert Littell

Robert Littell wurde 1935 in Brooklyn, New York, geboren. Der Nachfahre jüdisch-litauischer Einwanderer studierte an der Alfred University im Westen des Bundesstaates New York. Nach seinem Abschluss 1956 war er vier Jahre lang bei der U.S. Navy, wo er als Funker, U-Boot-Abwehroffizier und Schiffsnavigator auf einem Zerstörer diente. Später arbeitete er als Redakteur der Zeitschrift »Newsweek« speziell für osteuropäische und sowjetische Angelegenheiten. 1970 hängte Littell den Journalistenberuf an den Nagel, zog nach Frankreich und begann seine Erfahrungen des Kalten Krieges als Romanautor in literarischer Form aufzuarbeiten. Bereits mit seinem ersten Roman, »The Defection of A. J. Lewinter« (1973; dt. »Moskau hin und zurück «, 1974, auch unter dem Titel »Der Springer«, 1986), einem Spionagethriller par excellence, der die Klischees des Kalten Krieges mit einer gehörigen Portion Ironie auf den Kopf stellt, gelang dem Autor der Durchbruch.

Er erhielt dafür den Golden Dagger Award, den renommiertesten Krimipreis Großbritanniens. Seither werden seine Werke mit denen anderer Thrillerautoren der Oberklasse wie John Le Carré oder Len Deighton verglichen. Nach dem Erfolg seines Debüts schrieb Littell abwechselnd Spionagethriller über den Kalten Krieg und erkundete andere Genres, zum Beispiel mit »Mother Russia« (1978; dt. »Mütterchen Russland«, 1988), einer in Moskau spielenden Liebesgeschichte, und »The Visiting Professor« (1993; dt. »Der Gastprofessor«, 1995, auch unter dem Titel »Zufallscode«, 2007) über einen Chaostheoretiker aus Russland, der dem sowjetischen Chaos entflieht, nur um ein unbehagliches Exil im amerikanischen Chaos zu finden. Seinen bisher größten internationalen Erfolg hatte er mit dem tausendseitigen Roman »Die Company« (2002), einer akribisch recherchierten und de tailreichen Spionagesaga, die der Geschichte des CIA von seiner Gründung in den späten 1940er Jahren bis zum Niedergang der Sowjetunion nachgeht. In seinem neuesten Buch »Das Stalin-Epigramm« (2009) erzählt der Schriftsteller die wahre Geschichte des Dichters Ossip Mandelstam, der es wagte, 1934 den Kreml-Herrscher Josef Stalin in einem 16-Zeilen-Epigramm zu beleidigen, das ihn u.a. »Mörder und Bauerntöter« nannte. »Es ist eine brillante Arbeit, immer gut zu lesen, manchmal komisch und oft herzzerreißend. Es gibt viele Bücher über Stalins Terrorregime, aber es kann nicht viele geben, die seine Wahrheiten eindringlicher und schmerzhafter zum Leben erwecken«, schreibt dazu die »Washington Post«.

Robert Littell wurde mit verschiedenen Preisen ausgezeichnet. Zuletzt wurden ihm der Los Angeles Times Book Prize und der Deutsche Krimipreis verliehen. Er lebt im Südwesten von Frankreich im Département Dordogne.

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