Richard Ford

Portrait Richard Ford
© Peter-Andreas Hassiepen

Richard Ford wurde 1944 in Jackson, Mississippi, geboren. Er studierte Literaturwissenschaft und Jura, arbeitete aber auch als Bahnarbeiter, Lehrer und Wissenschaftslektor.

Zwischendurch verdiente er sein Geld als Sportreporter, was ihm das Material lieferte für den Roman »The Sportswriter« (1986; dt. »Der Sportreporter«, 1989), der ihm in Amerika zum Durchbruch verhalf. Um nicht als typischer »Südstaatenautor« zu gelten, hatte sich Ford 1981 entschlossen, seine Romane und Erzählungen von nun an in (für ihn) weniger vertrauten Gegenden wie Montana, dem Mittleren Westen oder New Jersey spielen zu lassen. Oder in Paris. In der Novelle »Occidentials« (1997; dt. »Abendländer«, 1998) lässt er ein ungleiches Paar ein beinahe leeres, regnerisches Paris im Winter erleben. Lakonisch erzählt, scheinen die Gefühle, inneren Brüche und Sehnsüchte der einzelnen Figuren auf, die Ford mit viel Sympathie und einem Gespür für Psychologie entwickelt. Zu Recht gilt Ford, der 1996 für seinen Roman »Independence Day« (dt. »Unabhängigkeitstag«, 1995) mit dem Pulitzer Prize und dem PEN/Faulkner Award ausgezeichnet wurde, als »The Great American Novelist« in der Tradition eines Saul Bellow oder John Updike.

Im Mittelpunkt seiner Prosa stehen Figuren aus der amerikanischen Mittelklasse, deren Leben an unerwarteten Wendepunkten schlaglichtartig beleuchtet wird. In der Novelle »Jealous« (1995; dt. »Eifersüchtig«, 1995) wird die Geschichte aus der Perspektive eines Teenagers aus Montana erzählt, der Richtung Pazifik aufbricht. Die Unsicherheit und Verletzbarkeit, das Noch-nicht-Wissen und Dennoch-Ahnen, wie so ein Leben eigentlich funktioniert, wird brillant in eine scheinbar schlichte und dennoch aussagekräftige Sprache gefasst. Am Ende steht weniger ein Verständnis als das Wissen, dass die Liebe im Leben das einzig Dauerhafte ist. 2006 führte Richard Ford mit »The Lay of the Land« (dt. »Die Lages des Landes«, 2007) die Geschichte um Frank Bascombe, den Protagonisten aus »The Sportswriter« und »Independence Day«, fort. Auch in »Let Me Be Frank with You« (2014; dt. »Frank«, 2015), einer Sammlung von vier Novellen vor dem Hintergrund des Hurrikans Sandy aus dem Jahr 2012, ist Bascombe der Erzähler. »Canada« (2012; dt. 2015) ist eine in Rückblicken erzählte Coming-of-Age-Geschichte eines Jungen aus Montana, dessen Eltern 1960 eine Bank überfallen, woraufhin er nach Kanada flieht, wo er in mörderische Wirren verstrickt wird, die sein Leben verändern. In seinem literarischen Memoir »Between Them« (2017; dt. »Zwischen ihnen«, 2017) erinnert sich Ford an das scheinbar ganz normale Leben seiner Eltern im Amerika Mitte des letzten Jahrhunderts. 2020 erscheint auf Deutsch Fords Erzählband »Irische Passagiere«.