22. ilb 07. - 17.09.2022

Remco Campert

Remco Campert wurde 1929 in Den Haag, Niederlande, geboren. Er ist der Sohn des Journalisten und Dichters Jan Campert, der 1943 im KZ Neuengamme ermordet wurde. Seine Mutter  war die Schauspielerin Joekie Broedelet. Remco Campert befasste sich schon früh mit Poesie, veröffentlichte als 22-jähriger seinen ersten Lyrikband »Vogels vliegen toch« (1951), der schon ahnen ließ, dass hier ein Autor mit neuen Formen experimentierte.

Zusammen mit Rudy Kousbroek gründete er das Magazin »Braak«, das Anschluß an die Bewegung der »Fünfziger« fand. Gemeinsam mit Bert Schierbeek, Gerrit Kouwenaar, Jan G. Elburg und Simon Vinkenoog brachten sie der niederländischen Literatur die bislang radikalste Veränderung der Nachkriegszeit bei. Als Herausgeber verschiedener Zeitschriften und Magazine wie »Podium« und »Triade« beeinflusste Remco Campert maßgeblich den intellektuellen Diskurs in seinem Land.

Seine Offenheit und sein sozialer Anspruch zeigen sich unter anderem darin, dass er, anders als viele Schriftsteller seiner Generation, auch den »Ungeweihten« Zugang zur Literatur ermöglichte. So erreichte er auch Menschen, die sich bislang nicht mit Literatur beschäftigten, und wurde zu einem Idol der Jugend.

Er bedient sich der großen und kleinen Formen gleichermaßen. Seine Gedichte, Romane und Erzählungen präsentieren sich auf den ersten Blick als leicht zugänglich, auf den zweiten aber als raffiniert und hintergründig. Er stellt sich der Auseinandersetzung mit den Unzulänglichkeiten des Lebens auf unverkrampfte, humorvolle Weise. Mit ironischer Distanz setzt Campert das Unmittelbare und Direkte gegen elitäre Rhetorik. Sein Werk changiert dabei zwischen Desillusionierung, Menschenfreundlichkeit und Melancholie. Das hat ihm in den Niederlanden den Ehrentitel »Dichter« eingebracht, wovon auch der Titel des 1995 erschienenen Sammelbandes »Remco Campert – Dichter« zeugt. Obwohl Campert in seiner Heimat vor allem als Lyriker große Popularität genießt, werden auch seine Romane, Erzählungen und die dreimal wöchentlich im »Volkskrant« publizierte Kolumne von einem großen Leserkreis wahrgenommen. Schon früh spielte er eine entscheidende Rolle beim Rotterdamer Poetry International Festival: als Teilnehmer, Übersetzer, Moderator, Berater, später auch als Präsident des International Advisory Board. 1997 war er Mitbegründer der Stiftung Poets of all Nations (PAN). Obwohl er als einer der wichtigsten Vertreter der neuen niederländischen Poesie gilt, sind in Deutschland bisher nur wenige seiner Gedichte übersetzt worden.

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