22. ilb 07. - 17.09.2022

Ray Loriga

Ray Loriga wurde 1967 in Madrid geboren. 1992 debütierte er mit dem Roman »Lo peor de todo« [dt. »Schlimmer geht’s nicht«, 1999], dessen Protagonist bereits mit Mitte zwanzig eine finstere Lebensbilanz zieht. In mehrere Sprachen übersetzt, machte das Buch den Autor als spanischen Vertreter der Generation X international bekannt. Es folgten weitere Romane, die teils auch ins Deutsche übersetzt wurden, darunter »Tokio ya no nos quiere« [1999; dt. »Tokio liebt uns nicht mehr«, 2000], ein zu Beginn des 21. Jahrhunderts angesiedelter Roman über einen modernen Handlungsreisenden, der eine Substanz vertreibt, die Erinnerungen auszulöschen vermag, und »Trífero« [2000; dt. 2002] über einen charmanten Hochstapler, der sich ohne jegliches Fachwissen in der Welt der Quantenphysik zu bewähren versucht.

Ray Lorigas Roman »Rendición« [2017; dt. »Kapitulation«, 2022] wurde 2017 mit dem hochdotierten Premio Alfaguara de Novela ausgezeichnet. Der dystopische, geografisch und zeitlich nicht näher verortete Roman lässt einen anonymen Erzähler zu Wort kommen, der mit seiner Frau und einem Kind, das die beiden bei sich aufgenommen haben, von ihrem Landgut in die sogenannte Durchsichtige Stadt umgesiedelt werden. Seit zehn Jahren herrscht Krieg in dem Land, die beiden Söhne des Erzählers haben als Soldaten gekämpft und sind mittlerweile verschollen. In der Durchsichtigen Stadt ist Transparenz das oberste Gebot. Alle Wände sind durchsichtig, und es wird niemals dunkel; Privatsphäre existiert nicht. Die Bürger:innen leben scheinbar in Frieden, alle ihre Grundbedürfnisse werden befriedigt. Doch nach einer Weile versteht der Erzähler selbst nicht mehr, warum er immer so zufrieden mit allem ist, warum er beinahe aufgehört hat, an seine Söhne zu denken, sie zu vermissen. In ihm wächst ein Misstrauen gegenüber seiner schönen neuen Lebenswelt. In einer Umgebung, die Konformität fordert, versucht er seine Individualität zu bewahren. »›Kapitulation‹ ist ein kafkaesker und orwellscher Roman über Autorität und kollektive Manipulation. Eine Parabel auf unsere Gesellschaft, in der jeder jeden beobachtet und beurteilt. Mit seiner unprätentiösen und nachdenklichen Stimme, in die sich immer wieder Humor mischt, konstruiert der Autor eine leuchtende Fabel über Exil und Verlust, über die Bedeutung von Elternschaft und Zuneigung«, so die Jury des Alfaguara-Preises.

Neben seiner schriftstellerischen Tätigkeit tritt Ray Loriga auch als Regisseur und Drehbuchautor in Erscheinung. So verfasste er zusammen mit Pedro Almodóvar das Drehbuch zu dessen Film »Carne trémula« und realisierte zwei eigene Spielfilme. Er lebt in Madrid.

Stand: 2022