23. ilb 06. - 16.09.2023

Olga Ravn

Olga Ravn, geboren 1986 in Kopenhagen, absolvierte ein Studium an der Kopenhagener Schreibschule Forfatterskolen und ist heute als Romanautorin, Lyrikerin, Herausgeberin und Übersetzerin u. a. von Joan Didion tätig.
Ab 2008 wurden Ravns Gedichte in verschiedenen dänischen Literaturzeitschriften veröffentlicht. 2012 erschien ihr Debüt, der Gedichtband »Jeg æder mig selv som lyng« (Ü: Ich esse mich wie Heidekraut), in dem die Autorin den weiblichen Körper und Themen wie Freundschaft, Liebe und Sex umkreist. 2015 folgte Ravns Romandebüt »Celestine«, eine moderne Schauergeschichte, in der sich eine Lehrerin an einem Jütländer Internat in der Geschichte des Schulgespensts Celestine verliert; die junge Adelige soll im 16. Jahrhundert von ihrer Familie in einem der Teil der Schule eingemauert worden sein und nun dort spuken. Der Text ist das hoch verdichtete, bildreiche Psychogramm einer Frau, deren unglückliche familiäre Vergangenheit bis in die Gegenwart nachwirkt und die in einem Gespenst jemanden findet, der Trauer, Schmerz und Wut mit ihr teilt. »Den hvide rose« (2016; dt. »Rose werden«, 2020), der zweite Gedichtband der Autorin, ist laut Ravn selbst ein »Heartbreak-Buch über die totale und herzzerreißende Einsamkeit« und beschreibt das intime Verhältnis einer Liebenden zu einem schwer erkrankten Menschen. »›Rose Werden‹ ist kein müder Metagedichtband über die abgenutzte Sprache der Poesie, sondern ein sinnliches Buch über Krankheit und Schmerz, den Verlust von Liebe und ein Beweis für Ravns bildgewaltige lyrische Sprache« (»Dagbladet Information«). 2018 erschien Ravns zweiter Roman »De ansatte« (Ü: Die Angestellten). Das Buch spielt auf einem Raumschiff, dessen Crew aus Menschen und Humanoiden besteht. Nachdem eine Reihe von mysteriösen Objekten von einem fremden Planeten an Bord gelangt ist, entwickeln alle Besatzungsmitglieder diesen gegenüber Gefühle, die das Verhältnis zu ihrer Arbeit infrage stellen. Ravn hat den Text als eine Aneinanderreihung kurzer Zeugenaussagen konzipiert, die von einer Kommission an Bord eingeholt werden, um die Auswirkungen der Objekte auf die Crew zu untersuchen. »De ansatte« ist nicht nur ein postmoderner Arbeitsroman im Gewand einer Science-Fiction-Geschichte, in dem es darum geht, wie sehr unser Leben von Arbeits- und Produktivitätszwängen bestimmt ist. Angesichts der trans- und posthumanen Visionen, die unsere Gegenwart bestimmen, geht Ravn auch der Frage nach, was es bedeutet, menschlich zu sein. »The Guardian« schreibt: »Dieser kluge, zum Nachdenken anregende Roman erzählt von der unaufhörlichen Suche nach dem Wesen des menschlichen Bewusstseins.« »De ansatte« stand 2019 auf der Shortlist des International Booker Prize. Ravns dritter Roman »Mit arbejde« (2020; Ü: Meine Arbeit) beschreibt die grundlegende Erfahrung, Kinder auf die Welt zu bringen, und erkundet die Beziehung zwischen Mutterschaft und Schreiben.
Olga Ravn lebt in Kopenhagen.