23. ilb 06. – 16.09.2023

R.O. Kwon

R. O. Kwon wurde in Seoul, Südkorea, geboren und zog im Alter von drei Jahren mit ihrer Familie in die USA. Dort wuchs sie in Los Angeles in einer christlich geprägten Umgebung auf, erlebte jedoch mit siebzehn eine Glaubenskrise und distanzierte sich von der Religiosität ihrer Familie. Nach ihrem Studium an der Yale University schrieb sie für diverse Zeitungen wie »The New York Times« und »The Guardian« sowie das Medienportal »BuzzFeed«.

2018 erschien ihr Debütroman »The Incendiaries« (dt. »Die Brandstifter«, 2019). Kwon schrieb etwa zehn Jahre an diesem Text über eine junge Frau, die unter den Einfluss einer christlichen Sekte gerät: Will kommt als Stipendiat an die prestigeträchtige Edwards University und lernt auf einer Party die allseits beliebte Phoebe kennen. Die koreanischstämmige Phoebe macht zwar einen sorglosen Eindruck, leidet aber immer noch unter dem Tod ihrer Mutter, an dem sie sich die Schuld gibt. Trost findet sie in der Gruppe Jejah (koreanisch für Unterwerfung). Will erlebt mit, wie Phoebe von deren exzentrischem Anführer John Leal immer tiefer in den Bann gezogen wird, der behauptet, eine Inhaftierung in einem nordkoreanischen Gulag überlebt zu haben. Als schließlich fünf Menschen bei Bombenanschlägen ums Leben kommen, entsteht der Verdacht, dass es sich um einen religiös motivierten Anschlag handelt. Phoebe ist verschwunden. Will versucht zu verstehen, wie die Frau, die er liebte, fähig sein konnte, sich an einem Gewaltakt zu beteiligen. Kwon erwähnte in einem Interview, der Anlass für dieses Buch sei ihr eigener Glaubensverlust gewesen: »Es fühlte sich so an, wie andere Leute einen Bankrott beschreiben. Es vollzieht sich schleichend, und dann ist es auf einmal passiert. So war auch meine Erfahrung. Nach all den Jahren fällt es mir immer noch schwer zu beschreiben, wie erschütternd dieser Moment war. Das ist einer der wichtigsten Gründe, warum ich dieses Buch schreiben wollte: Um das Ausmaß des Verlusts zu vermitteln, unter dem ich immer noch leide und über den zu sprechen mir immer noch Mühe bereitet.« Ihr Buch erzählt nicht nur vom Verlust des Glaubens, sondern ist auch eine aufschlussreiche Studie zur Klassenhierarchie. Der Schauplatz der Handlung, eine Elitehochschule, zeigt sich als Inkubator für die Sprösslinge der herrschenden Klasse, die weniger wohlhabende Studierende wie Will zu Außenseitern macht – er verdankt seinen Aufenthalt dort einem Stipendium, das ihn allerdings mit seinen privilegierten Altersgenossen keineswegs materiell gleichstellt.

»The Incendiaries« war 2018 in den USA ein Bestseller und galt vielen Kritikern als eines der besten Bücher des Jahres. Der Roman wurde u. a. für den National Book Critics Circle Award, den Los Angeles Times Book Prize und die Carnegie Medal nominiert. Kwon erhielt Stipendien von der National Endowment for Arts, Yaddo und MacDowell. Sie lebt in San Francisco.