Patricio Pron

Der argentinische Schriftsteller Patricio Pron wurde 1975 in Rosario geboren. Er studierte Kommunikation an der Universidad Nacional de Rosario. Von 2002 bis 2007 war er Spanischlehrer an der Universität Göttingen und promovierte dort mit einer Arbeit über den Pariser Comicautor Copi. Seitdem lebt er als freier Schriftsteller und Journalist in Madrid.

Pron veröffentlichte bislang sechs Bände mit Kurzprosa und sieben Romane. »El comienzo de la primavera« (2008, Ü: Frühlingsbeginn) gewann den Premio Jaén de Novela und wurde von der Fundación José Manuel Lara zu einem der fünf besten spanischsprachigen Romane gekürt. Im Mittelpunkt steht Martínez, ein junger Argentinier, der nach Deutschland reist, um mit einem alten Philosophieprofessor aus dem Heidegger-Umkreis die Übersetzung eines seiner Bücher ins Spanische zu besprechen. Der Besuch gerät zu einem Spiel von Spiegeln, Labyrinthen und Missverständnissen zwischen deutscher Vergangenheit und der schwer fassbaren Gegenwart Argentiniens. Der vielfach übersetzte Roman »El espíritu de mis padres sigue subiendo en la lluvia« (2010; dt. »Der Geist meiner Väter steigt im Regen auf«, 2013) thematisiert die Zeit der Militärjunta: Nach Jahren des Studiums kehrt ein junger Argentinier aus Deutschland nach Hause an das Krankenbett seines Vaters zurück. In dessen Schreibtisch entdeckt er Hinweise auf die politischen Aktivitäten seiner Eltern während der Militärdiktatur. Das vermeintlich glückliche Familienleben seiner Kindheit erweist sich als Schein. Pron wählte für den Roman eine offene Form aus Dokumenten, Fotografien, Erinnerungen, Träumen, der Text ist reich an Zitaten und Anspielen und steht stilistisch in der Tradition von Jorge Luis Borges. Auch in »No derrames tus lágrimas por nadie que viva en estas calles« (2016; dt. »Vergieß deine Tränen für keinen, der in diesen Straßen lebt«, 2019) stellt ein junger Mann Nachforschungen über seine Vorfahren an: Der Enkel eines im Zweiten Weltkrieg verschwundenen Partisanen setzt mit seinen Recherchen nach und nach ein Puzzle aus Kunst, Politik und Gewalt zusammen, das mit einem fiktiven faschistischen Schriftstellerkongress im norditalienischen Pinerolo im April 1945 zusammenhängt. Prons jüngster Roman »Mañana tendremos otros nombres« (2019; Ü: Morgen haben wir andere Namen) ist die psychologisch genaue Analyse einer gescheiterten Liebesbeziehung und darüber hinaus das Porträt einer neurotischen, allseits vernetzten Gesellschaft mit ihrem konsumorientierten Verhältnis zu Paarbeziehungen.

Neben seiner schriftstellerischen Tätigkeit ist Pron auch literarischer Übersetzer und Literaturkritiker. Er wurde 2010 von der Literaturzeitschrift »Granta« unter die besten spanischsprachigen Schriftsteller unter 35 Jahren gewählt, 2016 mit dem Premio Cálamo für sein Gesamtwerk geehrt und 2019 mit dem Premio Alfaguara de Novela ausgezeichnet.