22. ilb 07. - 17.09.2022

Claudia Piñeiro

Die argentinische Schriftstellerin Claudia Piñeiro wurde 1960 in Buenos Aires geboren. Nach einem Studium der Wirtschaftswissenschaften arbeitete sie als freie und später feste Redakteurin für verschiedene Zeitungen, Zeitschriften und Radiosender.
Als Schriftstellerin debütierte sie 2003 mit dem Roman »Tuya« (dt. »Ganz die Deine«, 2009) über eine Ehefrau, die die Untreue ihres Mannes aufdeckt und dann Zeugin seines Mords an seiner Geliebten wird. Obwohl sie ihm danach ein Alibi gibt, stellt der Ehemann seine Seitensprünge nicht ein, sodass sie sich schließlich zu einem Rachefeldzug entschließt. Piñeiros zweiter, mit dem Premio Clarín ausgezeichneter Roman »Las viudas de los jueves« (2005) erschien 2010, als Argentinien Gastland der Frankfurter Buchmesse war, unter dem Titel »Die Donnerstagswitwen« in deutscher Übersetzung und avancierte zum Bestseller in mehr als ein Dutzend Ländern. Piñeiro nutzt die Gattung des Kriminalromans für eine schonungslose Gesellschaftskritik, erzählt eindringlich von den Ängsten der Mittelschicht vor einem sozialen Abstieg, von zerrütteten Familienverhältnissen hinter einer glänzenden Fassade und den Auswirkungen der Wirtschaftskrise. »Ein leichtfüßiges Buch und die schonungslose Analyse eines gesellschaftlichen Mikrokosmos auf dem Weg in die Dekadenz« (José Saramago). 2009 realisierte Marcelo Piñeyro eine in Argentinien sehr populäre Verfilmung des Buchs. Piñeiros dritter Roman »Elena sabe« (2007; dt. »Elena weiß Bescheid«, 2009), der von einer symbiotischen Mutter-Tochter-Beziehung handelt, erhielt 2010 den deutschen LiBeraturpreis. Mit dem Premio Sor Juana Inés de la Cruz wurde der Kriminalroman »Las grietas de Jara« (2009; dt. »Der Riss«, 2011) ausgezeichnet. Die Handlung von »Un comunista en calzoncillos« (2013; dt. »Ein Kommunist in Unterhosen«, 2015) führt ins Argentinien des Jahres 1976: Aus der Perspektive eines heranwachsenden Mädchens erzählt die Autorin von der Lebensrealität jener Zeit zwischen Anpassung und Aufbegehren, vom Einbruch der politischen Realität in die kleine Vorstadtwelt einer Familie, von Doppelzüngigkeit und allgegenwärtigen Verdächtigungen. Der Rückkehrer-Roman »Una suerte pequeña« (2015; dt. »Ein wenig Glück«, 2016) zeigt eine Frau, die nach einem Unglücksfall aus ihrer Heimat floh, zwanzig Jahre als Spanischlehrerin in Boston lebte und schließlich eine Konfrontation mit den Ereignissen ihrer Vergangenheit wagt, die sie für immer vergessen wollte. In ihrem jüngsten Roman »Las maldiciones« (2017; dt. »Der Privatsekretär«, 2019) spielt Piñeiro mit verschiedenen Perspektiven und Zeitebenen, um, ebenfalls mit Mitteln einer Kriminalgeschichte, den Missbrauch von Macht und die Lügen in der jungen Politikergeneration zu beleuchten.
Für ihr literarisches Werk wurde Piñeiro mit zahlreichen Preisen geehrt, neben ihren Romanen schrieb Theaterstücke und Kinderbücher. Die Autorin lebt in Buenos Aires.