23. ilb 06. – 16.09.2023

Pilar Quintana

Pilar Quintana wurde 1972 in Calí geboren. Sie studierte am Liceo Benalcázar in Calí und später Soziale Kommunikation an der Javeriana-Universität in Bogotá. Nach ihrem Abschluss arbeitete sie als Drehbuchautorin fürs Fernsehen und als Werbetexterin. Drei Jahre lang bereiste sie die Welt und ließ sich nach ihrer Rückkehr am kolumbianischen Pazifik nieder.

2003 debütierte sie mit ihrem Roman »Cosquillas en la lengua« [Ü: Kitzeln auf der Zunge]. Es folgten Veröffentlichungen von Kurzprosa in Zeitschriften und Anthologien in Lateinamerika, Spanien und Deutschland. 2007 wählte sie das Hay Festival Bogotá zu einer der 39 herausragendsten Schriftsteller:innen unter 39 Jahren in Lateinamerika. 2010 erhielt sie für den Roman »Coleccionistas de polvos raros« [2007; Ü: Sammler seltener Pulver] vom spanischen Festival La Mar de Músicas in Cartagena den Premio La Mar de Letras. 2011 vertrat sie Kolumbien im International Writing Program an der University of Iowa, 2012 beteiligte sie sich an einem internationalen Workshop für Schriftsteller:innen der Baptist University of Hong Kong.

Quintanas Texte sind eine Auseinandersetzung mit der kolumbianischen Realität, insbesondere mit dem Aspekt der Gewalt. Ihr Erzählband »La nueva aventura Caperucita Roja, donde ella se come al lobo« [2012; Ü: Neue Abenteuer von Rotkäppchen, das den Wolf frisst] sorgte mit seiner unverhohlenen Darstellung weiblicher sexueller Begierden in Chile für einen Skandal.

Ihren internationalen Durchbruch schaffte Quintana mit »La perra« [2017; dt. »Hündin«, 2020]. Damaris, eine Schwarze Frau um die vierzig, lebt in einem kleinen Dorf in Südamerika. Als sich in ihrer langjährigen Beziehung mit dem Fischer Rogelio der Kinderwunsch nicht erfüllt, adoptiert Damaris einen Hundewelpen und projiziert ihre Liebe nun auf das Tier, das zusehends ein Eigenleben führt, bis Damaris es umbringt, als sie erkennt, dass die Hündin trächtig ist. Quintana beschreibt den harten Alltag in diesem Teil Kolumbiens aus eigener Anschauung und zeigt die Wunden einer Gesellschaft, die durch unüberwindliche soziale Schranken und eine Trennung von Weißen und Schwarzen geprägt ist und deren Regeln eine kinderlose Frau wie Damaris zur Außenseiterin werden lassen. Die tieftraurige Geschichte erzählt Quintana in lakonischem Ton und erreicht damit eine hohe Eindringlichkeit. Der Roman, der als besonders wertvolles Objekt in einer Marmorzeitkapsel in Bogotá für künftige Generationen aufbewahrt wird, erhielt 2018 den Premio Biblioteca de Narrativa Colombiana und einen PEN Übersetzungspreis. Die deutsche Übersetzung wurde mit dem LiBeraturpreis 2021 ausgezeichnet.

Für ihren Roman »Los abismos« [2021; »Abgrund«, 2022] erhielt sie den XXIV. Premio Alfaguara de Novela. Er erzählt die schockierende Geschichte eines Mädchens, das in die dunklen Winkel der Erwachsenenwelt schaut und versucht, die konfliktgeladene Beziehung ihrer Eltern zu verstehen.

Stand: 2022