22. ilb 07. - 17.09.2022

Nguyễn Phan Quế Mai

Nguyễn Phan Quế Mai wurde 1973 in einem Dorf im Norden von Vietnam geboren und zog mit ihrer Familie im Alter von sechs Jahren in das Mekong-Delta im Süden des Landes. Aufgrund ihrer herausragenden Studienergebnisse erhielt sie 1993 ein Australia-Awards-Stipendium und machte 1996 ihren Bachelor an der Monash University in Business Administration mit Schwerpunkt Kommunikation. Nach ihrer Rückkehr nach Vietnam arbeitete Quế Mai für verschiedene internationale Organisationen wie die UN, die sich um eine nachhaltige Entwicklung Vietnams bemühen.

Quế Mai veröffentlichte bislang siebzehn Bände mit Gedichten, Prosa, Übersetzungen sowie Sachbücher. In den USA erschienen ihre Gedichte in einer gemeinsamen Übersetzung mit dem Vietnam-Veteranen Bruce Weigl erstmals 2014 unter dem Titel »The Secret of Hoa Sen« (Ü: Das Geheimnis von Hoa Sen), ausgezeichnet mit dem Übersetzerpreis der Lannan Foundation. Mit ihrer »globalen Poesie, die in diesen unruhigen Zeiten unabdingbar ist« (Bruce Weigl), beschreibt Quế Mai nicht nur die psychischen Folgen des Vietnamkriegs in ihrem eigenen Land, sondern widmet ihre Texte auch den Kriegswaisen, den Textilarbeitern in Bangladesch, den Opfern des Taifuns auf den Philippinen und den Müttern in aller Welt, die unter existenziellen Bedrohungen leben. Für ihre Lyrik erhielt sie verschiedene Preise, u. a. den Poetry of the Year 2010 Award der Hanoi Writers Association und den Capital’s Literature & Arts Award. 2020 wird ihr Prosadebüt in englischer Sprache unter dem Titel »The Mountains Sing« (Ü: Die Berge singen) erscheinen, laut Pulitzer-Preisträger Viet Thanh Nguyen ein »Epos der schmerzvollen Geschichte Vietnams im 20. Jahrhundert, breit gefächert und zugleich intim erzählt. An den Leiden einer Familie schildert Quế Mai beispielhaft den Schrecken des Hungers, des Krieges und der Klassenunterschiede. Doch in ihrem bewegenden, fesselnden Roman erzählt sie auch vom Nachkriegsvietnam als einem Land der Hoffnung und der Erneuerung, Zuhause für ein Volk, das nie aufgegeben hat.«

Quế Mai hat einen Master für Kreatives Schreiben an der britischen Lancaster University erworben. Sie setzt sich für die Gleichstellung der Geschlechter ein und hat eine Reihe von Gender-Mainstreaming-Kursen für UN-Organisationen in Vietnam konzipiert. Darüber hinaus ist sie freiberuflich als Journalistin für große nationale Zeitungen tätig, für die sie vor allem über Kunst, Literatur und soziale Themen schreibt. 2007 gründete sie die Freiwilligengruppe Making Dreams Come True, die sich um die Belange von krebskranken Kindern in Nordvietnam kümmert. Für ihr Engagement wurde sie 2008 mit dem Australian Alumni Award für nachhaltige soziale Entwicklung und 2010 mit dem Hanoi International Women’s Club Female Vision Award ausgezeichnet. Quế Mai lebt derzeit in Jakarta, Indonesien, wo sie Kurse in Kreativem Schreiben für geflüchtete Mädchen aus Afghanistan anbietet.