23. ilb 06. – 16.09.2023

Petr Král

Petr Král wurde 1941 in einer Prager Vorstadt geboren. Er begann ein Filmstudium und schloss sich dem Kreis post-surrealistischer Künstler um Vratislav Effenberger an. Nach dem Einmarsch der russischen Truppen im Jahre 1968 floh er nach Paris. Wie Beckett, Ionesco, Kundera und viele andere Intellektuelle, die in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts aus ihrem Heimatland nach Frankreich auswanderten, setzte auch Král die fremde Sprache bewusst für die Erneuerung seines schriftstellerischen Ausdrucksvermögens ein. Seitdem schreibt er auf Französisch und Tschechisch. Neben Gedichtbänden und Prosa veröffentlichte er Essays, theoretische Studien und Anthologien.

Král bewegte sich einige Zeit im Einflussbereich des Surrealismus. In Paris arbeitet er mit prominenten Vertretern dieser Bewegung zusammen, unter anderen mit Alain Joubert, Francois-René Simon und Georges-Henri Morin. In Králs Gedichten aus dieser Zeit ist die Anwendung surrealistischer Techniken ein wichtiges Stilelement. »& Cie« (1979; Ü: & Co.) und »Routes du Paradis« (1981; Ü: Wege des Paradieses) integrieren aber auch Elemente aus der Kultur der zwanziger Jahre sowie der Beat Generation, zwei Epochen, die den Dichter besonders faszinieren. »Pour une Europe bleue« (1985; Ü: Für ein blaues Europa) wurde mit dem Prix Claude Sernet ausgezeichnet. Mit der Anthologie »Le Surréalisme en Tchécoslovaquie« (Ü: Der Surrealismus in der Tschechoslowakei), die Král 1983 herausgab, setzte er endgültig einen Schlusspunkt unter diesen prägenden Einfluss.

Nun wandte er sich verstärkt einer beiläufigen Introspektion zu und widmete sich in seinen Gedichten den alltäglichen Erscheinungsformen des Metaphysischen. »Im Surrealismus gab es ein bestimmtes Modell, um das Geheimnisvolle auszudrücken. Nun ist aber für mich das Unvorhersehbare eines Vorkommnisses das Wesentliche bei der Enthüllung des Metaphysischen.« Der Gedichtzyklus »Témoin des crépuscules« (1985; Ü: Zeuge der Dämmerung) und das Langgedicht »Sentiment d’antichambre dans un café d’Aix« (1991; Ü: Gefühl wie in einem Vorzimmer in einem Café in Aix) illustrieren diese Wende im Werk Králs am deutlichsten: Die Bände sind eine Zelebrierung des Zufälligen und seiner Verklärung, während sie gleichzeitig eine nostalgische Dimension aufweisen.

Král definiert sich selbst als einen Dichter des Umwegs. In einem »introvertierten Sich-Treibenlassen« sieht er die beste Möglichkeit, sich seiner Umgebung tatsächlich gewahr zu werden. Mit seinen Gedichten geht es ihm weniger darum, formale Vollkommenheit zu erreichen, als vielmehr darum, den Schaffensprozess selbst zu kommunizieren und mit dem Leser in einen Dialog zu treten. Zuletzt erschien auf Tschechisch »Masiv a trhliny« (2004; Ü: Das Massiv und die Risse) und auf Französisch »Pour l’ange« (2007; Ü: Für den Engel). Der Autor lebt in Paris.

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