23. ilb 06. - 16.09.2023

Hiroko Oyamada

Hiroko Oyamada wurde 1983 in Hiroshima, Japan, geboren. Sie studierte Japanische Sprache und Literatur an der dortigen Universität. Nach ihrem Abschluss arbeitete sie in wechselnden Jobs, u. a. als Aushilfskraft bei einem Autohersteller. Diese Erfahrung diente ihr als Inspiration für ihren Roman »Kōjō« (2013; Ü: Die Fabrik), der mit dem Shinchō Prize for New Writers und dem Oda Sakunosuke Prize ausgezeichnet wurde.

»Kōjō« umkreist die Absurdität und Sinnentleertheit moderner industrieller Arbeitswelten. Drei Figuren gehen in einer Fabrik ihren Aufgaben nach: Eine Frau schreddert Papier, ihr Bruder liest Dokumente Korrektur, und ein weiterer Mann untersucht das Moos, das auf dem Gelände wächst. Nach und nach scheinen die Grenzen der Realität zu verschwimmen: Wo endet die Fabrik, und wo beginnt der Rest der Welt? Und welchen Sinn und Zweck hat die Arbeit selbst? »In Oyamadas trostloser Welt erzeugt unsere Arbeit ein Gefühl der Isolation, das mit der Herausbildung von Routinen nur zunimmt. In stiller Verzweiflung beginnen die Figuren, sich zu fragen, nicht was sie für die Fabrik tun, sondern was die Fabrik ihnen antut« (»The New Yorker«). Für ihren zweiten Roman »Ana« (2013; Ü: Das Loch) erhielt Oyamada den Akutagawa Prize, der als eine der bedeutendsten literarischen Auszeichnungen in Japan gilt. Jurymitglied Hiromi Kawakami hob die Fähigkeit der Autorin hervor, fantastische Vorgänge in ein realistisches Setting einzubetten: Nach einem Umzug findet sich Asa Tür an Tür mit ihren Schwiegereltern wieder. Während ihr Mann vollauf mit seiner Arbeit beschäftigt ist, muss Asa sich in der neuen Umgebung erst noch eingewöhnen. Eines Tages trifft sie unterwegs auf eine seltsame Kreatur und folgt ihr zum Ufer eines Flusses – wo sie in ein Loch fällt, das offenbar nur für sie gemacht wurde. Dies ist der Auftakt zu einer Reihe bizarrer Ereignisse, die Asa an ihrem Verstand zweifeln lassen und sie dazu bewegen, ihre Rolle in dieser Welt zu hinterfragen. 2018 erschien die Kurzgeschichtensammlung »Niwa« (Ü: Garten).

Hiroko Oyamada lebt mit ihrer Familie in Hiroshima.