23. ilb 06. – 16.09.2023

Ottessa Moshfegh

Ottessa Moshfegh wurde 1981 in Boston als Tochter eines iranischen Violinisten und einer kroatischen Bratschistin geboren und wuchs in Newton auf. Von 1998 bis 2002 studierte sie am Barnard College Englisch und Kreatives Schreiben, von 2009 bis 2011 absolvierte sie ein Masterstudium in Kreativem Schreiben an der Brown University.
Moshfeghs Kurzgeschichten wurden zunächst in »The Paris Review«, »Vice« und »The New Yorker« veröffentlicht. 2014 erschien ihr Debüt, die Novelle »McGlue« (dt. 2016). Die Geschichte spielt in der Mitte des 19. Jahrhunderts in Massachusetts, doch die dort aufgeworfenen Fragen haben nichts von ihrer Aktualität eingebüßt: Dem Seemann McGlue wird die Ermordung seines besten Freundes vorgeworfen. McGlue kann sich an nichts erinnern – Folge seiner Alkoholsucht und einer schweren Schädelverletzung. Möglicherweise will er sich aber auch an nichts erinnern. Moshfegh erhielt für ihr Debüt über Männerfreundschaft, die Verdrängung der gesellschaftlich geächteten Homosexualität und die Brüchigkeit der Existenz den Believer Book Award und den Fence Modern Prize in Prose. 2015 erschien ihr erster, von der Kritik hochgelobter Roman »Eileen« (dt. 2017). Die 24-jährige Eileen muss für ihren alkoholkranken, paranoiden Vater sorgen, mit dem sie in einem heruntergekommenen Haus lebt. Ihren Lebensunterhalt verdient Eileen als Sekretärin in einem Jugendgefängnis. Als dort eine neue Kollegin ihren Dienst antritt, ändert sich Eileens verhasstes Leben auf einen Schlag. Sie wirbt um Rebeccas Freundschaft, doch die hat ihren Preis: Eileen wird in ein Verbrechen hineingezogen. Der Roman wurde mit dem PEN/Hemingway Award ausgezeichnet und stand 2016 auf der Shortlist des Man Booker Prize. Eine Verfilmung des Stoffs ist geplant. Mit »Homesick For Another World« (2017; dt. »Heimweh nach einer anderen Welt«, 2020) legte Moshfegh einen Erzählband vor, dessen Figuren mehrheitlich auf der Schattenseite des Lebens stehen. Abseitige Existenzen in teils surrealen Settings: Auch in ihren Erzählungen beweist Moshfegh ihre scharfe Beobachtungsgabe und ihren Hang zum schwarzen Humor. Es folgte der Roman »My Year of Rest and Relaxation« (2018; dt. »Mein Jahr der Ruhe und Entspannung«, 2018), dessen namenlose Protagonistin – jung, schön, vermögend und bestens ausgebildet – sich nach einer Abkehr von der Welt sehnt. Mithilfe von Psychopharmaka und Schlaftabletten versetzt sie sich in einen Ruhezustand. Doch sie muss feststellen, dass sie im Schlaf ein eigenes Leben zu führen scheint. Angesiedelt in New York vor dem 11. September 2001, kann der Roman auch als Kommentar auf den damaligen Zustand der Gesellschaft gelesen werden. Zuletzt erschien »Death in Her Hands« (2020; dt. »Der Tod in ihren Händen«, 2021). Auf einem Spaziergang findet die 72-jährige Professorenwitwe Vesta Guhl einen Zettel, darauf einige Zeilen über einen Mord an einer Frau namens Magda. Obwohl es keine Spuren gibt, versucht Vesta zu ermitteln. Der Roman führt immer tiefer hinein in das Gedankengebäude, das Vesta rund um das Verbrechen entwirft, bis sie darin letztlich selbst die Orientierung verliert. »Ottessa Moshfegh ist eine der eigensinnigsten Stimmen der neuen Weltliteratur«, so die »Zeit«.
Die Autorin lebt in Los Angeles.