23. ilb 06. – 16.09.2023

Makena Onjerika

Die kenianische Schriftstellerin Makena Onjerika wurde 1987 in Nairobi geboren. Sie studierte Wirtschaftswissenschaften am Amherst College in den USA und nahm nebenbei an Kursen für Creative Writing teil. Später erwarb sie einen Master of Fine Arts in Creative Writing an der New York University. Anschließend entschloss sich Onjerika, nach Nairobi zurückzukehren.
Literarische Texte verfasst sie seit ihrer Schulzeit, u. a. schrieb sie mit fünfzehn Jahren einen Fantasy-Roman. Ihre Kurzgeschichte »Fanta Blackcurrant«, deren erste Fassung bereits 2012 entstand, wurde 2017 in der britischen Literaturzeitschrift »Wasafiri« veröffentlicht und gewann 2018 den renommierten Caine Prize for African Writing. Die Jury lobte Onjerika als »neue Stimme der afrikanischen Literatur, direkt, humorvoll, traurig und voller Intimität«. Onjerika erzählt von einem Mädchen namens Meri, das auf den Straßen Nairobis lebt. Wenn sie mit ihren Freundinnen darüber spricht, was sie sich vom lieben Gott wünschen, sagt sie, sie wolle jeden Tag ihren Durst mit »Fanta Cassis« löschen, ein Leben lang. Meri ist nicht nur schön, sondern auch klug, witzig und bemüht, dem Leben auf der Straße zu entkommen und ein besseres Leben zu finden. Im Lauf der Jahre jedoch muss sie immer härtere Kämpfe in einer trostlosen Welt aus Armut, Prostitution, Kriminalität, des Drogenmissbrauchs und der Gewalt ausfechten. »Irgendwann wurde mir klar, dass ich schon sehr lange in Nairobi lebe, ohne nur einen Gedanken an die Straßenkinder zu verschwenden. Ich hatte sie nie als Kinder wahrgenommen, sondern immer nur als die Anderen. Mit dieser Geschichte wollte ich herausfinden, wie eine Kindheit auf den Straßen Nairobis wohl aussieht. Weil ich es selbst wissen wollte, aber auch, um Nairobi auf diese extremen Lebensbedingungen aufmerksam zu machen.« Inspiriert wurde Onjerika durch die Erzählung »Stickfighting Days« von Olufemi Terry, die vom Leben von Straßenjungen in Sierra Leone handelt und 2010 den Caine Prize gewann. Die einzigartige Ausdruckweise, derer sich Onjerika in ihrer Erzählung bedient, spiegelt die Alltagssprache der Kenianer. Gebräuchlich sind im Alltag die drei Sprachen Englisch, Suaheli sowie die jeweilige Muttersprache, die miteinander vermischt werden. Onjerika transferiert in ihrem Text dieses Sprachengemisch ins Englische. Durch diese Form der Darstellung wird jede Spur von Sentimentalität verdrängt, das Erzählte gewinnt an Lebensnähe und Plastizität.
Onjerika arbeitet derzeit an weiteren Texten über die Lebenswelt von Kasarani in den späten neunziger Jahren, einem Wohnviertel in Nairobi, in das ihre Mutter 1996 zog und wo Onjerika selbst aufwuchs in einer Zeit, als es kaum Häuser gab und keinen elektrischen Strom. Außerdem schreibt sie an einem Fantasy-Roman. Die Autorin lebt in Nairobi, wo sie Kreatives Schreiben unterrichtet.