23. ilb 06. – 16.09.2023

Irenosen Okojie

Irenosen Okojie wurde in Nigeria geboren. Im Alter von acht Jahren zog sie mit ihrer Familie nach England. Während ihres Studiums der Kommunikation und Visuellen Kultur an der London Metropolitan University begann sie zunächst nebenher als freiberufliche Autorin zu arbeiten. Ihre Texte erschienen u. a. in »The New York Times«, »The Observer« und »The Guardian«.
2015 erschien ihr Debütroman »Butterfly Fish« (Ü: Falterfisch), der auf unterschiedlichen, parallel erzählten Zeitebenen spielt: Während Joy im London der Gegenwart mit dem Tod ihrer Mutter fertigwerden muss, findet Adesua im Benin des 19. Jahrhunderts in ihre Rolle als achte Frau des Königs. Was die beiden Frauen miteinander verbindet, erzählt Irenosen Okojie mit Humor und psychologischem Feingefühl. Der Roman wurde mit dem Betty Trask Award ausgezeichnet und stand auf der Shortlist für den Edinburgh First Book Award. Mit »Speak Gigantular« (2016; Ü: Sprich gigantulär) folgte eine Sammlung mit Kurzgeschichten, in denen Kellnerinnen von liebeskranken Außerirdischen entführt werden, ein Bankräuber im Hühnerkostüm aufkreuzt und in der Londoner U-Bahn die Geister von Menschen herumspuken, die sich das Leben genommen haben. Trotz gewichtiger Themen wie Kidnapping, Vergewaltigung oder Tod gelingt Irenosen Okojie eine Leichtigkeit im Erzählen, sind die Geschichten durchsetzt mit magischem Realismus und hintersinnigem Humor, lässt die Originalität der Einfälle nie die Menschlichkeit der Figuren verblassen. »Okojie taucht ein in das Schmerzhafte, das Unsagbare, das Unbegreifliche. Ihre Prosa ist präzise und erhellend: Liebe und Einsamkeit sind wiederkehrende Themen«, befand »The Guardian«. Das Buch stand auf der Shortlist für den Edgehill Short Story Prize, den Jhalak Prize, die Saboteur Awards und wurde für den Shirley Jackson Award nominiert. 2019 erschien mit »Nudibranch« (Ü: Nacktschnecke) erneut ein Band mit Kurzgeschichten. Zeitreisende Mönche, eine Frau, die sich in Lakritz verwandelt, eine liebeshungrige Meeresgöttin, die sich auf einer von Eunuchen bewohnten Insel wiederfindet: Auch in diesem, erneut von außergewöhnlichen Figuren bevölkerten Band ist es das Spiel mit den Grenzen der Realität, das Irenosen Okojie interessiert. Vom Alltäglichen ausgehend, lässt sie die Geschichten ins Surreale oder Übernatürliche kippen. »Nudibranch« stand auf der Longlist für den Jhalak Prize. Für die im Band enthaltene Erzählung »Grace Jones« über eine Grace-Jones-Imitatorin, deren tragische Vergangenheit im Laufe der Geschichte nach und nach freigelegt wird, erhielt Irenosen Okojie den AKO Caine Prize For Fiction 2020.
Irenosen Okojie ist regelmäßig als Jurorin für Literaturpreise und als Moderatorin für Literaturveranstaltungen tätig. Sie ist Fellow und stellvertretende Vorsitzende der Royal Society of Literature. Die Autorin lebt in London.