23. ilb 06. - 16.09.2023

Nora Bossong

Nora Bossong, geboren 1982 in Bremen, studierte Kulturwissenschaft, Philosophie und Literatur in Leipzig und Potsdam, an der Humboldt-Universität zu Berlin und der La Sapienza in Rom. Ihr Studium schloss sie mit einer Magisterarbeit zur Inszenierung des Bösen bei David Lynch ab.
2006 erschien ihr Erzähldebüt »Gegend«. In »Webers Protokoll« (2009) erzählt Bossong von einem Diplomaten des Dritten Reichs in Mailand. Als seine Unterschlagung der Gelder für die Deutsche Schule in Mailand ruchbar wird, findet er eine Einnahmequelle darin, in die Schweiz fliehende Juden zu den nötigen Papieren zu verhelfen. Bossong durchforscht in ihrem spannungsreich komponierten Roman die Mechanismen der Macht und deckt ein Spiel von Täuschung und Selbsttäuschung auf. In ihrem Familienroman »Gesellschaft mit beschränkter Haftung« (2012) beleuchtet Bossong Fragen der Unternehmenskultur und deren ethische und soziale Ansprüche, in »36,9°« (2015) porträtiert sie den italienischen Philosophen, Politiker und Journalisten Antonio Gramsci. In ihrem jüngsten Roman »Schutzzone« (2019) erzählt sie von privaten Beziehungen einer UN-Mitarbeiterin vor dem Hintergrund der großen politischen Bühne – und von der Möglichkeit von Versöhnung nach Konflikten der Vergangenheit. Auch als Lyrikerin zeigt sie große Beobachtungsschärfe, ihre Texte vereinen Betrachtungen mit Reflexionen über den Betrachter. Für »Sommer vor den Mauern« wurde sie mit dem Peter-Huchel-Preis 2012 ausgezeichnet. »Bei Nora Bossong handelt es sich nicht allein um eine Dichterin, sondern zugleich um eine brillante Prosaautorin. Die Lässigkeit, der Witz, die kluge Souveränität dieser Autorin scheint sich auf alle Felder der Literatur zu erstrecken«, sagte Tobias Lehmkuhl in seiner Laudatio. »Rotlicht« (2017) enthält Reportagen über die Prostitution in Deutschland, durchzogen mit essayistisch-philosophischen Gedanken über Lust, Geld und Begehren.
Nora Bossong erhielt zahlreiche Stipendien und Auszeichnungen, darunter den Thomas-Mann-Preis 2020 und den Joseph-Breitbach-Preis 2020. Ihre journalistischen Texte erschienen u. a. in »DIE ZEIT«, der »taz« und auf »FAZ online«.

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