22. ilb 07. - 17.09.2022

Niq Mhlongo

Der Journalist und Schriftsteller Niq Mhlongo wurde 1973 in Soweto, Südafrika, als siebtes von neun Kindern geboren. Nachdem sein Vater gestorben war, kam Mhlongo als Teenager in die Provinz Limpopo, woher seine Mutter stammte. Bis 1996 studierte er Afrikanische Literatur und Politikwissenschaft an der Universität Witwatersrand. Anschließend immatrikulierte er sich an der juristischen Fakultät, wechselte dann an die Universität von Kapstadt, brach das Studium jedoch 2000 ab, um seinen ersten Roman »Dog Eat Dog« (2004; Ü: Hund frisst Hund) zu schreiben.

In seinem Debüt wie auch in den folgenden Romanen »After Tears« (2007; Ü: Nach den Tränen) und »Way Back Home« (2013; dt. 2015), die er im Soweto-Dialekt verfasste, verarbeitete er vor allem das Leben in der Post-Apartheid-Epoche sowie das Thema Fremdenfeindlichkeit. »Way Back Home« handelt von der Freiheitskämpferin Senami, die mit 17 Jahren ins angolanische Exil ging und nie zurückkehrte. Da sie ermordet und nicht standesgemäß beerdigt wurde, erscheint sie regelmäßig ihren Eltern als Geist – wie auch einem erfolgreichen Geschäftsmann, der früher in den Reihen der Widerstandsbewegung ANC in Angola gekämpft hat. Letzterer sucht schließlich Hilfe bei einem traditionellen Heiler. Damit Senamis Geist Ruhe finden kann, müssen ihre Mörder und ihre Familie Senamis Körper und Seele in einem rituellen Akt von Angola nach Südafrika holen und sie mit ihren Vorfahren vereinen. Mhlongo zeichnet mit diesem Roman nicht nur ein eindringliches Porträt der von Korruption und Gewalt geprägten Gesellschaft Südafrikas, sondern lässt durch lebendige Dialoge und Sprachwitz auch Momente der Hoffnung aufscheinen. Nach den Bänden mit Kurzprosa »Affluenza« (2016) und »Soweto, Under the Apricot Tree« (2018; Ü: Soweto, unter dem Aprikosenbaum) gab Mhlongo 2019 die Anthologie »Black Tax: Burden or Ubuntu?« (2019) heraus, die sich aus verschiedenen Perspektiven dem titelgebenden Thema widmet, also der Zahlung von Zusatzsteuern durch Berufstätige zur Unterstützung Schlechtergestellter in Südafrika. Einerseits wird diese Steuer zur Unterstützung von Familienmitgliedern als unverzichtbarer Teil der afrikanischen Kultur gesehen (nach dem ethischen Prinzip des Ubuntu), andererseits gibt es Kritik an der finanziellen Last auf den Schultern schwarzer Studierender und Fachkräfte, die in der Folge Schwierigkeiten haben, für ihren eigenen Unterhalt zu sorgen. »Die eigentliche Bedeutung des Buches liegt darin, mehr über das Alltagsleben der schwarzen Südafrikaner zu erfahren. Hier findet sich ein Einstieg in das Wesen des Familienlebens der Schwarzen und ihre verborgene Angst, mit der sie fertigzuwerden versuchen«, so der Herausgeber.

Mhlongo war 2008 Stipendiat des International Writing Program an der University of Iowa. Seine Werke wurden ins Deutsche, Spanische und Italienische übersetzt. Der Autor lebt in Johannesburg ist 2020 Gast des Berliner Künstlerprogramms des DAAD.