23. ilb 06. - 16.09.2023

Jovan Nikolić

Jovan Nikolić wurde 1955 in Belgrad geboren und wuchs in einer Roma-Siedlung in der serbischen Stadt Čačak auf. Seine Eltern wirkten in einer Kapelle mit, der Vater als Saxofonist, die Mutter als Sängerin. Deswegen verbrachte er seine Kindheit in Hotels vieler Städte des damaligen Jugoslawien. Von 1982 an arbeitete er in Belgrad als Journalist für verschiedene serbische und Roma-Medien. Nikolić war Kritiker des Regimes von Slobodan Milošević und emigrierte als verfolgter Schriftsteller während des NATO-Bombardements in Serbien.
Das literarische Schaffen von Jovan Nikolić umfasst Lyrik, Prosa, Liedtexte, Theaterstücke und Librettos. Bislang veröffentlichte er 19 Bücher, seine Gedichte und seine Prosa wurden in zehn europäische Sprachen übersetzt. 2004 erschien sein Gedichtband »Zimmer mit Rad« in deutscher Übertragung. »Weißer Rabe, schwarzes Lamm« (2006) wurde 2011 in Köln als »Buch für die Stadt« ausgewählt. Zu Nikolićs weiteren Werken gehört der Prosaband »Seelenfänger, lautlos lärmend« (2011), in dem er u. a. das Exil und die Erfahrung von Fremdheit thematisiert, sowie »Das Orchester der Frauen, die mich verlassen haben« (2016), Erinnerungsprosa an die jugoslawische Riviera der 1960er und 70er Jahre. Gedichte von Nikolić erschienen jüngst auch in der Anthologie »Die Morgendämmerung der Worte. Moderner Poesie-Atlas der Roma und Sinti« (2018). Einerseits spottet er in den Texten über die Unbilden des Alltags wie zum Beispiel das Altern, andererseits räumt er mit den Klischees über Roma auf.
Nikolić war von 1999 bis 2005 Vizepräsident der International Roma Union. Er erhielt eine Reihe von jugoslawischen und internationalen Literaturpreisen und war Writer in Residence in Wien, Graz, Salzburg, Trewerien, Split, Schöppingen, an der Akademie der Künste Berlin, dem P.E.N.-Zentrum Deutschland, im Heinrich-Böll-Haus in Langenbroich sowie an der Universität Innsbruck. Er lebt in Köln.