Nicolas Mahler

Portrait Nicolas Mahler
© Ali Ghandtschi

Nicolas Mahler wurde 1969 in Wien geboren und hat sich als Zeichner und Autor satirischer Comics und Cartoons sowie als Illustrator einen Namen gemacht. Seit Ende der neunziger Jahre veröffentlichte er rund dreißig Bücher auf Deutsch sowie u. a. in Frankreich und Nordamerika, seine Strips erschienen in vielen Zeitungen und Zeitschriften. Zudem hat er mehrere Zeichentrickfilme geschaffen, die teilweise auf seinen Comic-Figuren basieren. Sein gelegentlich als »Minimahlismus« bezeichneter Stil ist geprägt durch zeichnerische Reduktion, einen karikierenden Strich und einen schwarzen, oft selbstironischen Humor mit einer Prise Melancholie. Mahlers Werke entwickeln ihren subtilen Witz oftmals aus der Kombination verschrobener Charaktere und absurder Situationen, seine Strips lassen sich sowohl als gehobener Unsinn wie als philosophisch angehauchte Meditationen über die menschliche Existenz verstehen. »Wie alle echten Humoristen ist auch Nicolas Mahler in Wahrheit ein Tragiker, der sich mit nichts Geringerem als der Conditio humana beschäftigt«, schrieb Christian Gasser in der »NZZ«. »Nur – sein Pessimismus wäre geradezu unerträglich, würde er ihn nicht hinter seinem Humor verstecken.«

Zu seinen wichtigsten Werken zählt der Strip »Flaschko: Der Mann in der Heizdecke« (2002), in dem Mahler aus der Beziehung zwischen einem in seiner Heizdecke vor sich hin vegetierenden Mann und seiner Mutter bemerkenswert tiefgründige Mini-Dramen entwickelt. »Flaschko« wurde als Figurentheater und als Hörspiel adaptiert, »Kratchovil« (2002) als Marionettenstück. Für den Kurzgeschichtenband »Dick Boss« (2010) arbeitete Mahler mit einem Dutzend Autoren zusammen, die von ihm geschaffene Bilder in unterschiedlichen Anordnungen zu verschiedenen Geschichten weiterentwickelten. Für »Spam« (2009) ließ sich Mahler von absurden Werbe-E-Mails inspirieren, »Engelmann« (2010) vereint Persiflagen auf Superhelden-Comics. Seine Erzählung »Alte Meister« (2012) basiert auf dem gleichnamigen Roman von Thomas Bernhard, »Alice in Sussex« (2013) auf den Erzählungen von Lewis Carroll und H. C. Artmann. 2013 setzte er Robert Musils »Der Mann ohne Eigenschaften«, 2014 Frank Wedekinds »Lulu« und 2017 Marcel Prousts »Auf der Suche nach der verlorenen Zeit« als Graphic Novel um. In den letzten Jahren arbeitete Mahler mit Textcollagen. Für »Dachbodenfund« (2015) kombinierte er Vignettenzeichnungen mit Textfragmenten aus Auktionskatalogen, in seinem jüngsten Band »In der Isolierzelle« (2017) wendet er dasselbe Gestaltungsprinzip auf Hobby- und Technikmagazine aus den zwanziger bis sechziger Jahren an.

Nicolas Mahler wurde mit mehreren Preisen ausgezeichnet, u. a. mit dem Max-und Moritz-Preis 2006, 2008 und 2010 und dem Preis der Literaturhäuser 2015. Er lebt in Wien.