23. ilb 06. – 16.09.2023

Moritz Rinke

Moritz Rinke, geboren 1967 in Worpswede, studierte Angewandte Theaterwissenschaft in Gießen. Zunächst schrieb er Kolumnen und Reportagen, von 1994 bis 1996 arbeitete er für den »Tagesspiegel« in Berlin. Er wurde zweimal mit dem Axel-Springer-Preis ausgezeichnet, eine Sammlung seiner Geschichten und Kolumnen erschien 2001 unter dem Titel »Der Blauwal im Kirschgarten«.

Als Dramatiker debütierte er 1995 mit »Der graue Engel«, mit »Der Mann, der noch keiner Frau Blöße entdeckte« gelang ihm der Durchbruch: Das Stück wurde mit dem Literaturpreis des PEN-Clubs 1997 ausgezeichnet und war für den renommierten Mülheimer Dramatikerpreis nominiert, ebenso wie »Republik Vineta«, das außerdem von »Theater heute« zum besten deutschsprachigen Stück 2000/01 gewählt wurde. Rinkes Version der »Nibelungen« von Friedrich Hebbel erlebte seine Uraufführung 2002 in Worms und erreichte durch die Fernsehaufzeichnung ein Millionenpublikum. Als Schauspieler trat er in Max Färberböcks »September« in Erscheinung, der Film war 2003 zu den Internationalen Filmfestspielen in Cannes eingeladen. Rinkes Theaterstück »Café Umberto«, in dem Arbeitslose ein Jobcenter besetzen und eine neue Gesellschaft entwerfen, wurde 2005 an zahlreichen Bühnen inszeniert und ging in Lehrpläne von Schulen und Universitäten ein. »Wir lieben und wissen nichts« [2012], in dem schwelende Beziehungskrisen zu einem Kampf der Kulturen eskalieren, wurde an über fünfzig Bühnen national und international gespielt.

2010 erschien sein Romandebüt »Der Mann, der durch das Jahrhundert fiel«, angesiedelt zwischen Heimatepos, Künstler- und Jahrhundertroman. Rinke erzählt von einem erfolglosen Berliner Galeristen, der nach Worpswede zum Familienanwesen reist, das mitsamt den lebensgroßen Skulpturen seines Bildhauer-Großvaters im Moorboden zu versinken droht. Während eine Baufirma sich um die Rettung des Hauses kümmert, lüftet der Enkel gut gehütete Familiengeheimnisse, in denen Welt- und Kunstgeschichte, politische und gesellschaftliche Wirrungen des 20. Jahrhunderts miteinander verquickt sind. »Das Buch liest sich wie ein Gang durchs Moor an drohenden Abgründen entlang, die sich durch lustiges Glucksen bemerkbar machen«, so der Deutschlandfunk. In seinem zweiten Roman »Der längste Tag im Leben des Pedro Fernández García« [2021] erzählt Rinke die tragikomische Geschichte eines Postbeamten auf Lanzarote.

ZDF/ARTE drehte einen Film mit und über Moritz Rinke [»Mein Leben – Moritz Rinke«]. Er ist aktives Mitglied der deutschen Autorennationalmannschaft [Autonama], gab mit »Titelkampf« [2008] eine Sammlung von Fußballgeschichten heraus und steuerte ein Vorwort zur deutschen Übersetzung von »Der Torschützenkönig ist unter die Dichter gegangen. Fußball nach Pier Paolo Pasolini« [2022] von Valerio Cursio bei. Rinke war Gastprofessor für Szenisches Schreiben am Deutschen Literaturinstitut Leipzig [2009] sowie Gastdozent für Deutsche Literatur an der Universität Paderborn [2013/14]. Im Januar 2023 erscheint sein neues Buch »Unser kompliziertes Leben«, ein Tagebuch der Jahre 2020 bis 2022. Rinke lebt in Berlin.

Stand: 2022