23. ilb 06. - 16.09.2023

Mohammad Reza Yousefi

Mohammad Reza Yousefi wurde 1953 in Hamadan, Iran, geboren und ist mit mehr als 150 Werken einer der produktivsten Kinder- und Jugendbuchautoren des Iran. Aus seiner Kindheit in einer Großfamilie von Hirten und Viehzüchtern am Rande des Zagrosgebirges schöpft er sein tiefes Wissen über den nomadischen Lebensalltag einer festgefügten Stammesgesellschaft, über die Natur mit ihren Gefahren und die Mythentraditionen seines Landes. Nach seinem Geschichts- und Literaturstudium in Teheran arbeitete Yousefi als Lehrer und trat als Schauspieler und Regisseur bei Straßentheatern im ganzen Land auf. Dieses Wanderleben brachte ihm die Lebenswirklichkeiten im Vielvölkerstaat Iran nahe: „Ich habe mit allen Kindern des Iran gelebt; mit den Kindern der Wüste, der Wälder und der Berge; dem Kind, das nachts in den unruhigen Gewässern des Persischen Golfs fischt, dem turkmenischen Kind, das ungezähmte Pferde reitet, dem türkischen Kind, das das Musikinstrument seines Großvaters als heiliges Andenken pflegt, und mit dem kurdischen Kind und seiner Liebe für Pferde und Ringkämpfe.“ Yousefi lebt seit 1978 als freier Schriftsteller und schreibt in Farsi.

Seit mehr als zwanzig Jahren hat er eine große Bandbreite von Werken veröffentlicht, darunter Adaptionen folkloristischer Erzählungen, Interpretationen klassischer Legenden, moderne Märchen und Alltagsgeschichten aus dem heutigen Iran, in denen die Phantasie und das Leben von Kindern und Jugendlichen im Zentrum stehen. Ferne Zeiten und Kulturen gewinnen in seinen Geschichten für die Leser eine neue Aktualität. Kunstvoll beschreibt er menschliche Unterschiede und offenbart die scheinbare Unvollkommenheit seiner Figuren als ihre eigentliche Stärke und menschliche Größe. In seinem viel beachteten Schlüsselwerk, der symbolischen Novelle „Dokhtarane Khorshidi” (1999; Ü: Das Sonnenmädchen), suchen die Bewohner der von Dürre und Mißernten geplagten Töpfer-Stadt Meybod das ‚sonnengleiche Mädchen’. Ihr Meister Mehraban berichtet ihnen, dass dessen Opferung nach einem alten Mythos den erhofften Regen bringt. Als keines der Mädchen aus dem Dorf die Prüfung des Meisters besteht, erscheint seinem Schüler Merhad die Gesuchte im Traum. Sobald er erkennt, dass jedem der Mädchen ein Stück der Göttlichen innewohnt, beginnt es zu regnen und Merhad wird der neue Meister.

Mohammad Reza Yousefi wurde vielfach ausgezeichnet, viele seiner Texte wurden für das Kinder- und Jugendtheater adaptiert. Sein Theaterstück „Khaleh tanha, Khaleh ba ma“ wurde 1998 auf dem Hamadan Theatre Festival prämiert. Bereits zweimal erhielt er das IBBY-Ehrendiplom, im Jahr 2000 war er für den Hans-Christian-Andersen-Award nominiert. Yousefi lebt mit seiner Familie in Teheran.

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