23. ilb 06. – 16.09.2023

Meron Hadero

Meron Hadero wurde in Addis Abeba, Äthiopien, geboren und gelangte in ihrer Kindheit als Flüchtling über Deutschland in die USA. Sie studierte Geschichte und Amerikanistik an der Princeton University, besuchte die Yale Law School und absolvierte ein Masterprogramm in Kreativem Schreiben an der University of Michigan.

Ihre Kurzgeschichten erschienen in diversen Zeitschriften und Anthologien. 2021 erhielt sie als erste äthiopische Schriftstellerin den AKO Caine Prize for African Writing für die Kurzgeschichte »The Street Sweep« [Ü: Der Straßenfeger] über den 18-jährigen Getu, einen äthiopischen Straßenkehrer, der sich mit den Machtdynamiken ausländischer Hilfsorganisationen auseinandersetzen muss. Gezeichnet von persönlichen Traumata und mit drohender Vertreibung und Zwangsenteignung konfrontiert, setzt er viel Hoffnung in die Einladung zur Abschiedsparty eines NGO-Mitarbeiters: Jeff Johnson, genannt Mr Jeff, hat sich mit Getu angefreundet, um Kontakt zu den Menschen vor Ort zu halten und deren Ideen umzusetzen. Getu glaubt, dass die Einladung von Mr Jeff ihm viele Türen öffnen wird. Die Party findet im Sheraton Hotel in Addis Abeba statt; eine Welt, zu der Getu normalerweise keinen Zugang hat. Bis auf zahlreiche Visitenkarte weiterer NGO-Mitarbeiter:innen erhält er dort jedoch nichts außer warmen Worten. Getu begleitet Mr Jeff zum Taxi und verabschiedet sich von ihm – doch er beschließt, zur Party zurückzukehren. Getu hat das Spiel verstanden; nun spielt er es nach seinen eigenen Regeln. Die Geschichte kann als Porträt einer jungen Generation gelesen werden, die willens und bereit ist, Türen aufzustoßen, die bislang für sie verschlossen waren. »›The Street Sweep‹ ist handwerklich hervorragend gemacht, die Sprache ist flüssig und voller Farben und einprägsamer Symbolik«, so die Jury des AKO Caine Prize. »The Street Sweep« ist auch in Meron Haderos Debütband »A Down Home Meal for These Difficult Times« [2022; Ü: Eine bodenständige Mahlzeit für diese schwierigen Zeiten] enthalten, einer Kurzgeschichtensammlung, in deren Mittelpunkt Migrant:innen, Flüchtlinge und von Vertreibung Betroffene stehen. »Alle Geschichten in dieser Sammlung drehen sich um das Thema Heimat; der Idee dahinter, wie die Figuren danach suchen, davon träumen, darum kämpfen, sich ein Zuhause erschaffen und es wieder verlassen«, so Hadero selbst. Der Band wurde 2020 mit dem Restless Book Prize for New Immigrant Writing ausgezeichnet. »Mit enormer Kraft und wunderbarer Subtilität gewährt uns Meron Hadero Zugang zu den Innenwelten von Menschen in Momenten, in denen alles auf dem Spiel steht«, so die Begründung der Jury.

Die Autorin lebt in Kalifornien.

Stand: 2022