23. ilb 06. – 16.09.2023

Matthias Gnehm

Matthias Gnehm wurde 1970 in Zürich geboren und erhielt 1999 sein Diplom als Architekt an der dortigen Eidgenössischen Technischen Hochschule. Seitdem arbeitet er selbstständig, zuerst als Comiczeichner, Architekt und Szenograf. Heute ist er freier Autor und Zeichner von Graphic Novels sowie Dozent für Kunst und Raum an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften.

Nachdem er von 1995 bis 2002 die Illustrationen zu Szenarien des Autors Francis Rivolta beigesteuert hatte, u. a. für den als Auftragsarbeit des Schweizer Bundeshauses entstandenen und in dessen National- und Ständeratssaal spielenden Comic »Rätsel in Weiß« [2002], erschien 2004 mit »Tod eines Bankiers. Das Leben ist teuer« das erste Werk Gnehms, bei dem er sowohl für den Text als auch für die Bilder verantwortlich zeichnete. 2005 folgte ein zweiter Band des farbenreich inszenierten Wirtschaftskrimis, in dem der todgeweihte Bankier Charles Gubler seine Nachfolger auf die Idee bringt, Kapital aus seinem Ableben zu schlagen, woraus sich ein Netz von Intrigen in der Züricher Hochfinanz entspinnt. Als besonderen Clou lieferte Gnehm in diesem Werk zugleich einen Vorschlag zur Gestaltung des Seeuferbeckens von Zürich, den er in einer Ausstellung zum Comic mit architektonischen Plänen und 3-D-Modellen noch detaillierter präsentierte. 2008 erschien »Das Selbstexperiment«, das ebenfalls in Zürich spielt und in dem ein Kommissar vor der Herausforderung steht, einen Mordfall zu lösen, dessen Beteiligte Teil eines Experiments waren, das ihr Bewusstsein zu variablen, austauschbaren Größen machte. Gnehm gelingt es mit der Übersicht eines Architekten und durch die Einfachheit seines Zeichenstils, eine komplexe Handlung um Fragen der Identität zu errichten, die ihre Komik aus dem unvermeidlichen Einsturz bezieht. Unterstützung für sein Werk erhielt der Autor durch das Collegium Helveticum; zudem erweiterte er es in Ausstellungen in Luzern sowie in der Semper-Sternwarte in Zürich. 2011 veröffentlichte Gnehm die Graphic Novel »Die Bekehrung«, in der er nicht nur Pubertät, Religion und die erste Liebe als Themen behandelte, sondern auch das Phänomen der Zersiedelung am Beispiel der baulichen Veränderungen des Dorfes sichtbar machte, das als Schauplatz dient. Auch sein Comicbuch »Die kopierte Stadt« [2014] setzt sich wieder mit Architektur auseinander. Der exakte Nachbau der Stadt Zürich in China dient dabei als Ausgangspunkt einer Geschichte, die sich mit Liebe zum Detail um das Verhältnis von Original und Kopie dreht. Mit »Salzhunger« [2019] legte Gnehm einen Thriller vor, dessen Hauptfigur Arno Beder, ein Umweltaktivist, zusammen mit einer Kollegin nach Lagos, Nigeria, reist, um dort den schmutzigen Geschäften eines Rohstoffunternehmens nachzugehen. »Viel actionreicher und zugleich intimer kann man sich Comics kaum vorstellen«, so die »FAZ«. Das Buch wurde für den Max und Moritz-Preis in der Kategorie »Bester deutschsprachiger Comic« nominiert. Zuletzt erschien »Gläserne Gedanken« [2022], eine ganz in Grautönen gehaltene Graphic Novel, welche die Möglichkeiten der Digitalisierung weiterspinnt: Eine der Figuren ist für ein Start-up tätig, das daran arbeitet, Gedanken in geschriebenen Text umzuwandeln.

Gnehm erhielt zahlreiche Auszeichnungen, u. a. den Prix Coup de Cœur des Comicfestivals Sierre [2001] und einen Werkbeitrag von Pro Helvetia für »Die kopierte Stadt« [2014]. Er lebt in Zürich.

Stand: 2022